Gotha
Stadt in Thüringen
Die Gründungsurkunde
otha wurde erstmals in einer am 25. Oktober 775 in Düren ausgestellten Urkunde erwähnt, die heute nur als Text in einem Kopialbuch des Klosters Hersfeld aus dem 12. Jahrhundert erhalten ist. Mit ihr übereignete Karl der Große dem Kloster Hersfeld unter anderem den Zehnt von Ländereien, Wald und Wiesen der Villa Gothaha. Der Name wurde lange als „gutes Wasser“ gedeutet, nach dem Stadthistoriker Alexander Krünes müsste die richtige Übersetzung jedoch „langsam fließendes Wasser“ lauten. Dieses Gotha lag weiter westlich und ist mit der heutigen Stadt nicht identisch. Die Beziehungen zu Hersfeld dürften auch der Grund für die Übernahme des Stadtheiligen St. Gothardus gewesen sein, eines ehemaligen Abtes von Hersfeld und späteren Bischofs von Hildesheim.
Ein Streit um den Zehnt
Gotha entwickelte sich als zentraler Marktort und Etappenstation an einer Kreuzung der Via Regia mit einer Nord-Süd-Verbindung über Oberhof. In einer Schenkungsurkunde vom 18. Mai 874 werden die heutigen Gothaer Stadtteile Uelleben und Kindleben sowie die Gemeinde Bufleben unter 114 weiteren Orten in Thüringen als dem Stift Fulda zehntpflichtig genannt. Erzbischof Liubert zu Mainz und Abt Sigehard zu Fulda machten beide das Recht der Zehnterhebung für sich geltend. König Ludwig der Deutsche entschied den Streit am Hofe zu Ingelheim zu Gunsten der Abtei Fulda. Unter den Ludowingern entstand die heute noch erkennbare planmäßige Stadtanlage.
Reformation und Kriegsfolgen
Nach einer ersten reformatorischen Predigt 1522 wurde unmittelbar nach dem Gothaer Pfaffensturm im August 1524 der mit Martin Luther befreundete Friedrich Myconius als evangelischer Prediger an die Marienkirche berufen. 1526 trafen Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann von Sachsen in Gotha eine Vereinbarung, die später zum Schmalkaldischen Bund führte. 1545 zerstörte ein Stadtbrand fast die Hälfte der Wohngebäude. Weitere Zerstörungen brachte die Belagerung von Stadt und Burg 1566 und 1567 durch kaiserliche Truppen unter Kurfürst August von Sachsen.
Residenz und Neuaufbau
Im 17. Jahrhundert wurde Gotha unter dem protestantischen Herzog Ernst dem Frommen Residenz des Herzogtums Sachsen-Gotha, ab 1826 in Personalunion mit Sachsen-Coburg. Die Herzöge schufen einen in Verwaltung, Wirtschaft und Finanzen vorbildlichen Staat. Schulpflicht für Mädchen und Knaben sowie der Gothaer Schulmethodus des Pädagogen Andreas Reyher wurden eingeführt, naturwissenschaftliche Sammlungen begonnen. Das Ekhof-Theater, benannt nach seinem Mitbegründer Conrad Ekhof, wurde in einen Ballsaal des Schlosses eingebaut und beeinflusste als erste Bühne mit festem Ensemble die Entwicklung des deutschen Theaters. 1663 verwüstete ein Brand über 300 Häuser der historischen Altstadt.