Gotland
schwedische Insel
ereits vor und während der Wikingerzeit sowie im frühen und späten Mittelalter war Gotland ein wichtiger Platz für den Ostseehandel, später mit maßgeblichem Anteil der Hanse. Lange bevor Lübeck und andere Ostseestädte gegründet wurden, waren die Inselhäfen Paviken und Fröjel, später Visby, Drehpunkt des Warenverkehrs zwischen Orten wie Kaupang, Birka, Dorestad, Haithabu, Nowgorod und Seeburg im Baltikum. Bäuerliche Händler brachten Güter über das Meer, im Gefolge kamen im 12. Jahrhundert immer mehr Kaufleute aus neu gegründeten Ostseestädten sowie aus dem Rheinland und Westfalen auf die Insel und übernahmen mit eigenen Schiffen bald den Großteil des Handelsvolumens.
1361 landete der dänische König Waldemar Atterdag mit einer 3000 Mann starken Streitmacht auf Gotland. Ein Heer der Landbevölkerung wurde zunächst bei Mästerby geschlagen und zog sich nach Visby zurück, erhielt dort aber keinen Einlass. In der Schlacht von Visby wurde es vom überlegenen dänischen Heer vernichtend geschlagen, rund 2000 Menschen starben. Visby kapitulierte, erhielt aber zwei Tage später seine alten Rechte und Privilegien bestätigt. Seitdem war Gotland dänisch. Im Krieg Dänemarks gegen Schweden besetzten 1394 die Vitalienbrüder die Insel als Operationsbasis und wurden zu gefürchteten Seeräubern. Albrecht von Mecklenburg, nach seiner Absetzung als schwedischer König ihr Anführer, ließ auf Vivesholm eine Befestigungsanlage bauen. 1398 vertrieb der Deutsche Orden unter Konrad von Jungingen die Vitalienbrüder von Gotland, das dem Ritterorden von Schweden verpfändet worden war.
Kalkstein wurde seit der Vorzeit als Baumaterial verwendet, besonders viele Kalksteinbauten entstanden während des Mittelalters, etwa die Ringmauer, Kirchenruinen und Speicher in Visby. Mit dem 1161 erteilten Handelsprivileg von Heinrich dem Löwen eigneten sich die Visbyer Hanseleute die einträgliche Kalkindustrie an, woraufhin zuvor unbedeutende Plätze wie Barläst, Bläse und Kappelshamn aufblühten. Voraussetzung für eine lukrative Kalkherstellung war ein Steinbruch in der Nähe eines Hafens, dort errichtete man Kalköfen, die vom 17. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts für die Insel prägend wurden.