Grafschaft Glatz
Nebenland der Krone Böhmens, fiel im Schlesischen Krieg an Preußen
310 übernahmen die Luxemburger die Herrschaft in Böhmen und damit auch im Glatzer Land. Unter König Johann von Luxemburg wirkte Ernst von Hostině als Burggraf, dessen Sohn als Ernst von Pardubitz erster Erzbischof von Prag und Berater Kaiser Karls IV. wurde. Unter Karl IV. erlebte das Glatzer Land eine kulturelle und religiöse Blüte, 1349 wurde das Augustiner-Chorherrenstift gegründet. Nach Karls Nachfolgern kam es zu religiösen Auseinandersetzungen und den Hussitenkriegen. Ab 1425 unternahmen die Hussiten zahlreiche Einfälle, belagerten Burgen und zerstörten Städte. Bei der Schlacht bei Altwilmsdorf 1428 starb der Anführer des Glatzer Heeres. König Sigismund verpfändete das verwaiste Fürstentum 1429 an Puta d. J. von Častolowitz, der 1422 Landeshauptmann geworden war und 1426 das Münzprivileg erhielt.
Der 1458 gewählte böhmische König Georg von Podiebrad erhob 1459 das Glatzer Land zur Grafschaft, um seinen Söhnen eine standesgemäße Herrschaft zu sichern. Kaiser Friedrich III. erkannte die Erhebung im selben Jahr an, und Georgs Sohn Viktorin wurde zum ersten Grafen von Glatz ernannt. 1462 dehnte der Kaiser die Standeserhebung auch auf dessen Brüder aus. Nach Georgs Tod 1471 erhielt sein Sohn Heinrich d. Ä. die Grafschaft und weitere Besitzungen und ließ die Glatzer Burg zu einem repräsentativen Schloss ausbauen. 1473 kehrte er zum katholischen Glauben zurück. 1477 gliederte er die Herrschaft Hummel seiner Grafschaft ein.
Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges standen die Grafschafter Stände auf Seiten der protestantischen böhmischen Rebellion. 1619 wurde König Ferdinand II. abgesetzt und Friedrich von der Pfalz gewählt, der nach der Schlacht am Weißen Berge 1620 fliehen musste. Die Glatzer Stände unterwarfen sich nicht, worauf die Kaiserlichen die Grafschaft besetzten und Glatz 1622 zur Kapitulation zwangen. Der einheimische Adel wurde weitgehend enteignet, Städte verloren ihre Privilegien. Bis Kriegsende 1648 erlitten Land und Bevölkerung Durchmärsche, Einquartierungen und Plünderungen. Der böhmische Landesherr Ferdinand III. beauftragte die 1624 zurückgekehrten Jesuiten mit der Rekatholisierung. Letzte böhmische Landesherrin war Erzherzogin Maria Theresia als Königin von Böhmen.
In den drei Schlesischen Kriegen von 1742 bis 1763 war die Grafschaft Glatz Aufmarsch- und Kampfgebiet kaiserlicher und preußischer Truppen. Obwohl sie nicht zu Schlesien gehörte, setzte König Friedrich II. wegen ihrer strategischen Lage die Abtretung an Preußen durch. Nach Ausbruch des Zweiten Schlesischen Krieges unterstellte Maria Theresia die Grafschaft am 1. Dezember 1744 wieder ihrer Herrschaft, und 1745 fand das Gefecht von Habelschwerdt statt, das mit einer Niederlage der Kaiserlichen endete. Mit dem Hubertusburger Frieden von 1763 kam die Grafschaft endgültig an Preußen, die ständische Selbstverwaltung wurde aufgelöst und der Landrat trat an die Stelle des Landeshauptmanns.