Heinrich III. (HRR)
römisch-deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
Herkunft
einrich wurde wohl eher 1016 als 1017 als Sohn Konrads des Älteren, des späteren Kaisers Konrad II., und Giselas von Schwaben geboren. Seine jüngeren Schwestern Beatrix und Mathilde blieben unvermählt und starben früh. Der Vater entstammte einem rheinfränkischen Adelsgeschlecht mit Besitz und gräflichen Rechten um Worms und Speyer. Konrad war Urenkel des 955 auf dem Lechfeld gegen die Ungarn gefallenen Konrads des Roten und über dessen Gattin Liutgard mit den Ottonen verwandt. Giselas Vater Hermann von Schwaben hatte bei der Königswahl des Jahres 1002 erfolglos eigene Ansprüche geltend gemacht. Heinrichs Geburt fiel in eine schwierige Lage der Familie: Konrad war in eine blutige Fehde verwickelt, hatte die kaiserliche Huld verloren, und es schien, er könne nicht einmal Herzog werden.
Aufbau des Thronfolgers
Nach dem Tod Heinrichs II., des letzten männlichen Ottonen, setzte sich Konrad 1024 in Kamba als Herrscher durch. Als erster salischer Herrscher baute er seinen Sohn systematisch als Nachfolger auf. Um die Erziehung kümmerten sich Bischof Brun von Augsburg und von etwa Mai 1029 bis zum Juli 1033 Bischof Egilbert von Freising; auch der Kapellan und Historiograph Wipo wirkte zeitweise mit. Am 24. Juni 1027 übertrug Konrad in Regensburg dem Sohn das seit Februar 1026 vakante Herzogtum Bayern. Die Verleihung an einen noch nicht zehnjährigen Königssohn war ohne Vorbild. 1038 übernahm Heinrich auch das schwäbische Herzogtum. Zum Osterfest 1028 wurde er in Aachen mit Zustimmung der Fürsten zum König erhoben und von Erzbischof Pilgrim von Köln geweiht.
Eine Kaiserbulle vom 23. August 1028 zeigt den Kaisersohn mit der Umschrift Heinricus spes imperii, Heinrich, Hoffnung des Reiches. Im Frühjahr 1028 ging eine Gesandtschaft nach Byzanz, um eine Kaisertochter zu gewinnen. Nach dem Scheitern dieses Plans wurde Heinrich zu Pfingsten 1035 auf dem Bamberger Hoftag mit Gunhild, der Tochter Knuts des Großen, verlobt; ein Jahr später fand in Nimwegen die Hochzeit statt. 1027 traf Konrad bei Basel den kinderlosen König Rudolf von Burgund und regelte die Übertragung des Königreichs. Am 1. August 1034 schloss er den Erwerb Burgunds ab, im Herbst 1038 übertrug er in Solothurn das Regnum Burgundiae dem Thronfolger. Als Konrad 1039 in Utrecht starb, verlief der Machtübergang als einziger ungefährdeter Thronwechsel der ottonisch-salischen Geschichte.
Herrschaftsantritt
Der Regierungswechsel vollzog sich ohne Schwierigkeiten. Nur von Gozelo von Lothringen wird berichtet, er habe die Huldigung zunächst verweigern wollen. In Aachen fand eine Thronsetzung statt, ein Umritt zur Herrschaftsgewinnung wie unter Heinrich II. und Konrad II. aber nicht. Der Konflikt zwischen Erzbischof Aribert von Mailand und Konrad wurde beigelegt, nachdem sich Aribert 1040 auf einem Hoftag in Ingelheim unterworfen hatte. Im Sommer 1043 warb Heinrich um Agnes von Poitou, eine Tochter Herzog Wilhelms V. von Aquitanien. Auf die Verlobung im burgundischen Besançon folgte in Mainz die Krönung zur Königin, Ende November 1043 in Ingelheim die Vermählung. Streng kirchliche Kreise hielten die Brautleute als Nachkommen Heinrichs I. für zu nah verwandt.
Böhmen und Ungarn
Anlass zum Eingreifen in Böhmen gab Břetislav I., der seinen Herrschaftsbereich nach Norden ausdehnte. 1039 fiel er in Polen ein, eroberte und zerstörte Krakau und zog in Gnesen ein; die Reliquien des heiligen Adalbert ließ er nach Prag überführen. Da Polen unter deutscher Lehnshoheit stand, bedeutete dies einen Angriff auf den römisch-deutschen Herrscher. Im Oktober 1039 bereitete Heinrich unter Führung Ekkehards II. von Meißen einen Feldzug vor. Břetislav lenkte ein und stellte seinen Sohn Spytihněv als Geisel, kam seinen Verpflichtungen aber nicht nach. Im August unternahm Heinrich einen Feldzug gegen Böhmen und erlitt eine schwere Niederlage; die meisten Krieger des Aufgebots fanden den Tod.
Im August 1041 wurden die Kämpfe wieder aufgenommen, im September 1041 vereinigten sich die Heere vor Prag. Zur Schlacht kam es nicht, denn Břetislav stand allein. Im Oktober 1041 unterwarf er sich auf dem Hoftag zu Regensburg, zahlte den Tribut und wurde wieder mit dem Herzogtum belehnt; seine polnischen Eroberungen musste er abtreten, Schlesien durfte er behalten. Am 5. Juli 1044 schlug der König die zahlenmäßig überlegenen Ungarn in der Schlacht von Menfö an der Raab. Peter wurde in Stuhlweißenburg erneut inthronisiert und erkannte die Lehnsoberhoheit an. Zwei Feldzüge in den Jahren 1051 und 1052 blieben erfolglos, 1052 vermittelte Papst Leo IX. einen Frieden. Am Ende seiner Herrschaft war Heinrich weit davon entfernt, Ungarn, Böhmen und Polen lehnsrechtlich abhängig zu halten.
Speyer
Im März 1043 starb Kaiserin Gisela. Bei ihrer Bestattung in Speyer trat der König barfuß und im Büßergewand auf und warf sich vor den Versammelten zu Boden. Die Forschung spricht für diese Zeit vom christomimetischen Königtum. Heinrich förderte Speyer ungleich stärker als sein Vater. Er schenkte der Kirche mit dem Codex Aureus Escorialensis ein prachtvolles Evangeliar, dessen Herrscherbilder die salische Dynastie zeigen, wie sie sich 1045 herausgebildet hatte. Nach dem Tod der Mutter wurde der Dom erheblich ausgebaut und um ein Drittel vergrößert; mit einer Gesamtlänge von 134 Metern stieg er zum größten Gotteshaus der abendländischen Christenheit auf. Das angelegte Gräberfeld von 9 × 21 m fand in keinem anderen Gotteshaus des Reiches seinesgleichen. Später trat Goslar als neuer Mittelpunkt in den Vordergrund.
Kaiserkrönung
Die Jahre 1044 bis 1046 markierten für das Papsttum eine Zeit schwerer Krisen. Im Herbst 1044 wurde Papst Benedikt IX. vertrieben, Anfang 1045 wählten die Crescentier Bischof Johannes von Sabina zum Papst Silvester III. Benedikt kehrte im März 1045 zurück, trat seine Würde aber am 1. Mai 1045 gegen eine hohe Geldzahlung an den Erzpriester Johannes Gratianus ab, der den Namen Gregor VI. annahm. Heinrich zog nach heutigem Forschungsstand wegen der Kaiserkrönung nach Rom. Am 25. Oktober 1046 fand eine Synode in Pavia statt, die sich gegen den Verkauf kirchlicher Ämter wandte. Um den 1. November traf Heinrich mit Gregor VI. zusammen; danach weckten Informationen den Verdacht, Gregor habe sich die Papstwürde erkauft.
Am 20. Dezember 1046 berief der König eine Synode in Sutri ein, die erste Reformsynode gegen die Simonie. Benedikt IX. galt nicht mehr als Papst, Gregor VI. war unter dem Druck der Versammlung zum Rücktritt bereit. Am 24. Dezember 1046 setzte eine Synode in Rom Benedikt förmlich ab und wählte einen neuen Papst. Nach der Ablehnung Adalberts von Hamburg-Bremen wurde Suidger von Bamberg am 25. Dezember 1046 als Clemens II. erhoben und krönte Heinrich und Agnes zu Kaiser und Kaiserin. Heinrich ließ sich den Titel Patricius Romanorum übertragen. Auf Clemens folgte 1048 Bischof Poppo von Brixen als Damasus II., im Dezember 1048 setzte Heinrich auf dem Reichstag von Worms Bischof Bruno von Toul als Leo IX. ein.
Herzöge und Opposition
Als Herzog Konrad der Jüngere von Kärnten am 20. Juli 1039 starb, besetzte Heinrich auch dieses Herzogtum zunächst nicht wieder. Bayern, Schwaben und Kärnten standen damit in seiner Verfügungsgewalt. Bayern wurde 1042 in Basel ohne Wahl der einheimischen Großen an den Luxemburger Heinrich VII. vergeben, 1045 Schwaben an den Ezzonen Otto II., 1047 Kärnten an den schwäbischen Grafen Welf III. Alle neu ernannten Herzöge waren Landfremde und damit auf die Zentralgewalt angewiesen. Am 11. April 1053 wurde auf dem Merseburger Hoftag der Bayernherzog Konrad abgesetzt. 1055 schloss sich eine Gruppe mächtiger Fürsten gegen die Herrschaft des Königs zusammen, darunter der Bischof von Regensburg, Welf III. und Konrad I. Die Verschwörer planten, Heinrich zu ermorden; der Umsturz wurde durch den plötzlichen Tod Welfs III. und Konrads I. vereitelt.
Lothringen
Herzog Gozelo hatte seit 1033 über Nieder- und Oberlothringen geherrscht. Sein Tod am 19. April 1044 führte zu schweren Auseinandersetzungen mit seinem Sohn Gottfried dem Bärtigen. Heinrich wollte Gottfried nur Oberlothringen zuerkennen und nutzte die Gelegenheit, den lothringischen Machtkomplex zu zerschlagen. Durch Fürstenspruch wurden Gottfried seine Reichslehen aberkannt. Im Winter 1044 begann der Feldzug, im Juli 1045 unterwarf sich Gottfried und wurde im Giebichenstein in Gewahrsam genommen. Ein Aachener Hoftag im Mai 1046 sprach ihm Oberlothringen zu, Niederlothringen erhielt der Lützelburger Friedrich. Nach Heinrichs Rückkehr aus Italien im Mai 1047 begann Gottfried eine erneute Empörung; Nimwegen und Verdun wurden zerstört. Nach seiner Exkommunikation durch Leo IX. unterwarf er sich 1049 in Aachen und verzichtete auf sein Herzogtum.
Nachfolge und Tod
Aus der Ehe mit Agnes stammten die Töchter Adelheid, Gisela und Mathilde. Am 11. November 1050 kam nach siebenjähriger Ehe der ersehnte Thronfolger zur Welt. Noch am Weihnachtsfest 1050 ließ der Vater die Großen dem ungetauften Sohn die Treue schwören; am 31. März 1051 taufte Erzbischof Hermann in Köln das Kind, das auf Wunsch des Paten Hugo von Cluny Heinrich genannt wurde. 1053 ließ der Kaiser den dreijährigen Sohn in der Königspfalz Trebur wählen, wobei die Wähler ihm nur folgen wollten, wenn er ein gerechter Herrscher werde. Am 17. Juli 1054 wurde das Kind in Aachen gekrönt. Heinrich starb unerwartet am 5. Oktober 1056 mit 39 Jahren in der Königspfalz Bodfeld am Harz. Der Leichnam wurde am 28. Oktober 1056 in Speyer beigesetzt.