Heinrich Raspe IV.
Landgraf von Thüringen, Gegenkönig zu Friedrich II.
227 folgte Heinrich seinem Bruder Ludwig IV. als Regent der Landgrafschaft Thüringen, während sein jüngster Bruder Konrad Raspe ab 1231 die hessischen Landesteile verwaltete. Er regierte zunächst an Stelle von Ludwigs und Elisabeths minderjährigem Sohn Hermann II., der 1227 erst fünf Jahre alt war und 1241 im Alter von 18 Jahren überraschend starb. Spätere Historiker versuchten, Heinrich die Schuld an einer Vergiftung seines Neffen zu geben, doch dafür gibt es in den zeitgenössischen Quellen keinen Hinweis. Da Hermann selbst ab 1234 Urkunden ausfertigte und keine Missstimmigkeiten überliefert sind, entbehrt der Verdacht jeder Grundlage. 1241 beteiligte sich Heinrich an den Kämpfen gegen die eingebrochenen Mongolen, nahm aber nicht an einer der großen Schlachten teil.
Nachdem der Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein überraschend ins antistaufische Lager gewechselt war, wurde Heinrich 1242 zusammen mit Wenzel I. von Friedrich II. zum Reichsgubernator für dessen minderjährigen Sohn Konrad IV. bestellt. So sollte ein drohender Krieg unter den rivalisierenden deutschen Fürsten verhindert werden.
Nach der Absetzung Friedrichs und Konrads 1245 durch Papst Innozenz IV. wechselte Heinrich die Seiten und wurde am 22. Mai 1246 von einer Minderheit der Fürsten in Veitshöchheim bei Würzburg zum König gewählt, unterstützt von den Erzbischöfen Siegfried III. und Konrad I. von Hochstaden. Wegen dieser Wahlhilfe erhielt er den Beinamen rex clericorum, Pfaffenkönig. Sein Königtum blieb umstritten, da weder Friedrich II. noch Konrad IV. ihre Absetzung anerkannten. In der Schlacht an der Nidda am 5. August 1246 besiegte Heinrich Konrad, weil Hartmann I. von Grüningen und Ulrich I. von Württemberg mit rund 2000 Gefolgsleuten die Seite wechselten. Er erzwang zwei Hoftage in Frankfurt und Nürnberg, zog dann gegen die staufischen Schwaben und ließ im Winter 1246 Ulm und Reutlingen belagern. Bei einem Scharmützel vor Reutlingen verletzt, gab er seine Kriegspläne auf und zog sich auf die Wartburg zurück, wo er am 16. Februar 1247 starb. Er wurde im Katharinenkloster bei Eisenach begraben, sein Herz in der 1235 gegründeten Predigerkirche der Dominikaner bestattet.