Hermann I. (Thüringen)
Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen
ermann war der jüngere Sohn Ludwigs II. von Thüringen und dessen Frau Jutta, einer Halbschwester Kaiser Friedrich Barbarossas. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder, dem späteren Ludwig III., wurde er vermutlich am Hof Ludwigs VII. von Frankreich erzogen. 1181 erhielt er von Ludwig III. die Pfalzgrafschaft Sachsen. Nach dessen Tod 1190 während des Dritten Kreuzzugs erbte Hermann die Landgrafschaft. 1197 beteiligte er sich am Kreuzzug seines Cousins Kaiser Heinrichs VI., der nach dessen überraschendem Tod abgebrochen wurde. Danach rangen Philipp von Schwaben und Otto IV. im Deutschen Thronstreit um die Königsherrschaft. Hermann wechselte dabei mehrmals die Seiten, um sein Herrschaftsgebiet zu vergrößern und geschlossener zu gestalten. Diesem Ziel diente auch seine Heiratspolitik: Er war Cousin des Königs Ottokar von Böhmen und verheiratete seinen Sohn Ludwig mit der ungarischen Prinzessin Elisabeth.
1211 entschied sich Hermann, Barbarossas Enkel Friedrich II. bei dessen Bewerbung um die deutsche Königskrone zu unterstützen. Durch seine Erziehung in Paris war er mit zeitgenössischer französischer Literatur vertraut und förderte deren deutsche Neubearbeitung. An seinem Landgrafenhof entstanden unter anderem Heinrich von Veldekes Eneasroman, Wolfram von Eschenbachs Willehalm, möglicherweise Teile des Parzival und Herbort von Fritzlars Liet von Troye. Die Wartburg wurde unter seiner Herrschaft endgültig zum Hauptsitz der Ludowinger. 1206 soll dort der fiktive Sängerkrieg stattgefunden haben, an dem Minnesänger wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach teilgenommen haben sollen. Am 25. April 1217 starb Hermann I. in Gotha und wurde im Katharinenkloster zu Eisenach beigesetzt. Nachfolger wurde sein Sohn Ludwig IV.
1181 heiratete Hermann in erster Ehe Sophia von Sommerschenburg, Tochter des Pfalzgrafen von Sachsen Friedrichs II. und Luidgards von Stade. Sophia war eine Großcousine seines Vaters und Witwe des Grafen Heinrich I. von Wettin. Mit ihr hatte Hermann zwei Töchter: Jutta, die zunächst Markgraf Dietrich von Meißen und danach Graf Poppo VII. von Henneberg heiratete, und Hedwig, die den Grafen Albrecht von Orlamünde ehelichte.
1196 heiratete Hermann in zweiter Ehe Sophia, Tochter Herzog Ottos I. von Bayern. Aus dieser Ehe gingen sechs weitere Kinder hervor: Irmgard, die den Fürsten Heinrich I. von Anhalt heiratete, Hermann, Ludwig IV., der 1217 bis 1227 Landgraf in Thüringen war und 1221 Elisabeth, Tochter König Andreas’ II. von Ungarn, ehelichte, Heinrich Raspe, der 1227 bis 1247 Landgraf von Thüringen und 1246/47 römisch-deutscher Gegenkönig wurde, Agnes, die zunächst Heinrich von Babenberg und danach Herzog Albrecht I. von Sachsen heiratete, sowie Konrad, der 1239/40 Hochmeister des Deutschen Ordens wurde.