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Hermann von Reichenau

mittelalterlicher Komponist, Wissenschaftler und Schriftsteller

ermann wurde als Sohn des Grafen Wolfrat II. und dessen Frau Hiltrud in Oberschwaben geboren. Sein Geburtsort ist nicht überliefert. Wegen einer Behinderung wurde er Hermannus Contractus beziehungsweise Hermann der Lahme genannt. Zu seiner Krankheit gibt es zwei Hauptannahmen, entweder eine spinale Muskelatrophie seit Geburt oder eine in den Zwanzigerjahren beginnende amyotrophe Lateralsklerose. Im Alter von sieben Jahren, im September 1020, kam er in klösterliche Obhut, wahrscheinlich ins Kloster Reichenau, wo er 1043 unter Abt Berno die Mönchsgelübde ablegte. Bis zu seinem Tod hat er das Kloster vermutlich nicht wieder verlassen. Er erhielt die übliche klösterliche Bildung und wurde zu einem herausragenden Kenner der Geschichte, der Musik sowie der Mathematik und Astronomie. Mit Abt Berno zählt er zu den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit und wurde als Wunder des Jahrhunderts bezeichnet. Er starb 1054 und wurde in der Familiengrablege in Altshausen beigesetzt.

Hermann gehörte zu den führenden Personen seiner Zeit bei der Übertragung des bis dahin nur auf Arabisch überlieferten Wissens in Mathematik und Astronomie. So prägte er den astronomischen Begriff Almukantarat für einen dem Horizont parallelen Kreis der Himmelskugel. Künstlerisch trat er als Komponist und Dichter hervor. Seine Chronik ist eine Hauptquelle für die Geschichte des mittleren 11. Jahrhunderts. Angesichts seiner schwierigen Lebensumstände sind seine Leistungen nicht zu unterschätzen. Wissenschaftshistorisch gilt er dennoch nicht als geniale Einzelerscheinung des 11. Jahrhunderts. Nach dem Mediävisten Arno Borst galt er als Universalgelehrter seiner Zeit, doch seine eigenen Beiträge konnten sich kaum durchsetzen. Seine eigentliche Bedeutung erlangte er als Kompilator, der vorhandenes Wissen zugänglich machte.

Unter seinen Werken als Historiker ragt die lateinisch verfasste Weltchronik Chronicon heraus, die die Zeit von der Geburt Christi bis in das Jahr 1054 schildert. In ihr bezieht Hermann nicht nur sich selbst, seine Geburt und seinen Schulanfang, sondern auch seine Familiengeschichte in die Zeitgeschichte ein. Nach seinem Tod wurde die Weltchronik auf seinen Wunsch von seinem Schüler Berthold von Reichenau bis zum Jahr 1080 fortgesetzt. Bertholds Fortsetzung beginnt mit der Lebensgeschichte Hermanns des Lahmen.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Hermann von ReichenauVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269223298redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Foto: Th. Fink Veringenentstanden 2015CC BY-SA 4.0Quelle