Kontextartikel2 Min. Lesezeit

Herzogtum Westfalen

Fürstentum im Heiligen Römischen Reich

ie Machtbestrebungen der Kölner Erzbischöfe seit dem 12. Jahrhundert legten den Grund für das spätere Territorium. In Konkurrenz zum regionalen Adel bauten oder erwarben sie Burgen wie Volmarstein und Padberg. Entscheidend für die Expansion war die Schwächung der Grafen von Werl und der Grafschaft Arnsberg. Erzbischof Friedrich I. kaufte 1102 Besitzungen bei Sundern und Werl, und Graf Friedrich von Arnsberg musste nach der Eroberung der Stadt Arnsberg auf die Hälfte seiner Grafschaft zugunsten Kölns verzichten. Später kamen Rüthen sowie die Freigrafschaft Volmarstein mit Schwelm und Hagen hinzu. 1164 eroberte Erzbischof Reinald von Dassel die Stadt Arnsberg erneut und zwang die Grafen von Arnsberg zur Anerkennung der kölnischen Lehnsherrschaft.

1437 schlossen 167 Ritter und 16 Städte ohne Wissen des Landesherrn eine erste Erblandesvereinigung, nachdem der Erzbischof ohne Zustimmung eine Kopfsteuer eingeführt hatte. Bereits 1438 gelang es dem Landesherrn, diese Vereinigung durch Bestätigung zahlreicher Privilegien zu sprengen, doch ein vollständiger Interessenausgleich blieb aus. 1444 erkannte die Hansestadt Soest die Oberhoheit des Erzbischofs Dietrich von Moers nicht mehr an und unterstellte sich dem Herzog von Kleve. Es folgte die Soester Fehde von 1444 bis 1449, bei der Soest von Kleve, zahlreichen westfälischen Städten und dem Herzog von Burgund unterstützt wurde. 1447 belagerte ein 12.000 Mann starkes Söldnerheer die Stadt vergeblich. Soest und sein Umland verblieben bei Kleve beziehungsweise der Grafschaft Mark. Auch ein erneuter Angriff unter Hermann von Hessen 1504 scheiterte, und der Kurfürst musste die Rückgewinnung schließlich aufgeben.

Clemens August I. von Bayern war von 1723 bis 1761 Landesherr im Herzogtum. Er versuchte, das Land durch Unterordnung der Regierung unter die Hofkanzlei stärker in den Kurstaat zu integrieren, während sich die Landstände als eigenständige Kraft behaupteten. Er erließ Gesetze wie eine Normierung von Maßen und Gewichten und trat als Bauherr auf, etwa beim Neubau des Schlosses Arnsberg durch Johann Conrad Schlaun. Seine prachtvolle Hofhaltung belastete den Staatshaushalt jedoch erheblich. Ruinös wurde seine Beteiligung am Kampf gegen Friedrich II. von Preußen: Im Siebenjährigen Krieg wurde das Herzogtum zum Kriegsschauplatz, das Arnsberger Schloss wurde völlig zerstört. Die hohe Schuldenlast aus zahlreichen Kontributionen ließ sich das Land bis zum Ende des Kurstaates 1802 wirtschaftlich nicht mehr erholen; manche Orte trugen die Folgen bis weit ins 19. Jahrhundert.

Nach der Flucht Maximilian Franz’ vor den französischen Revolutionstruppen 1794 siedelten die Kurkölner Behörden ins Herzogtum Westfalen über, da im Frieden von Lunéville 1801 alle linksrheinischen Gebiete an Frankreich abgetreten wurden. Preußen, Hessen-Kassel und Wilhelm IV. von Oranien hatten Interesse am Herzogtum, doch setzte sich die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt durch und okkupierte das Gebiet bereits 1802, noch vor der Entscheidung des Reichsdeputationshauptschlusses, der diesen Schritt 1803 nachträglich legitimierte. Die kurfürstlichen Behörden stellten im Oktober 1802 ihre Arbeit ein. Das Herzogtum hatte damals etwa 131.000 Einwohner und wurde als Provinz mit Hauptstadt Arnsberg dem hessen-darmstädtischen Staat eingegliedert, als einer von drei Teilen der Landgrafschaft. Die meisten Klöster und Stifte wurden unmittelbar nach der Besitzergreifung säkularisiert, während die Rolle der Landstände zunächst unklar blieb.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Herzogtum WestfalenVersionsgeschichteBearbeitungsstand 267086265redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Franz Johann Joseph von Reillyentstanden 1793Public domainQuelle