Hinkmar von Reims
Erzbischof von Reims, Kirchenpolitiker, Historiker und Kirchenrechtler
inkmar wurde noch zu Lebzeiten Karls des Großen geboren und erhielt seine Ausbildung im Kloster Saint-Denis. Auf Vermittlung seines Abtes Hilduin von Saint-Denis kam er 822 an den Hof Kaiser Ludwigs des Frommen. Dort erlebte er die politischen Instabilitäten des fränkischen Reiches, die nach dem Tod des Kaisers 840 zur Schlacht bei Fontenoy 841 und zum Teilungsvertrag von Verdun führten. Hinkmar wurde Parteigänger König Karls des Kahlen, der ihn im April 845 zum Erzbischof von Reims machte, nachdem sein Vorgänger Ebo den Stuhl endgültig hatte räumen müssen. Widerstände der Ebo-Anhänger überwand er, die Wiederherstellung von Reimser Kirchengut und die Diözesangesetzgebung von 852 stärkten seinen Einfluss im westfränkischen Episkopat.
Im Prädestinationsstreit wandte sich Hinkmar auf der Synode von Quierzy 849 gegen den Mönch Gottschalk von Orbais und ließ ihn bis zu dessen Tod 869 gefangen halten. Beim Einfall Ludwigs des Deutschen nach Westfranken 858 organisierte er den Widerstand für Karl den Kahlen. Seit 860 setzte er sich im Ehestreit des lothringischen Königs Lothar II. gegen dessen Scheidungspläne ein und fand in Papst Nikolaus I. einen Verbündeten, während der Papst sich in Streitigkeiten mit Rothad II. von Soissons und Hinkmar von Laon gegen den Erzbischof wandte. Der Konflikt um die Rekonziliation der Ebo-Kleriker wurde erst 866 beigelegt. Beim Tod Lothars II. 869 besetzte Karl der Kahle mit Hinkmars Unterstützung Lothringen, musste die östlichen Gebiete aber im Vertrag von Meerssen 870 an Ludwig den Deutschen abtreten.
Hinkmar lehnte die Politik Karls des Kahlen zur Erlangung der Kaiserwürde nach dem Tod Ludwigs II. ab. Karl der Kahle wurde 876 zunächst gekrönt, starb aber 877 auf seinem zweiten Italienzug. Gegen das bei der Kaiserkrönung beschlossene päpstliche Vikariat wehrte sich Hinkmar auf der Synode von Ponthion. Nach dem Tod Karls des Kahlen unterstützte er dessen Sohn Ludwig II. den Stammler und dessen Enkel Ludwig III., den Sieger der Schlacht bei Saucourt 881, sowie Karlmann. Sein letztes Lebensjahr war vom Streit um die Bischofswahl in Beauvais geprägt. Auf der Flucht vor den Normannen, die Reims angriffen, starb der Erzbischof am 21. oder 23. Dezember 882 in Épernay und wurde im Kloster Saint-Remi in Reims begraben.