Hochmittelalterliche Ostsiedlung
Landesausbau, Siedlungsbewegung im Hochmittelalter und Verbleib bis zum Bruch 1945
nter den Ottonen und Saliern wurden Unterwerfungsfeldzüge jenseits der östlichen Reichsgrenzen geführt, in einem Gebiet zwischen der Linie Elbe-Saale-Naab im Westen und Oder, Bober, Queis und Moldau im Osten. In den eroberten Gebieten richtete man Grenzmarken ein, Burgen wurden besetzt oder neu errichtet und dienten der militärischen Kontrolle und der Eintreibung von Tributen. Ein Zuzug von Neusiedlern blieb jedoch aus, weshalb diese Phase treffender als Ostexpansion statt Ostsiedlung zu bezeichnen ist. Die Christianisierung beschränkte sich auf Zwangstaufen und die Errichtung von Missionsbistümern wie Oldenburg, Brandenburg oder Havelberg. Ein Pfarrkirchensystem entwickelte sich erst mit der Ansiedlung deutscher Kolonisten ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Die alten wie neuen Landesherren in Ostmitteleuropa besaßen viel Land, das jedoch in weiten Teilen nicht urbar gemacht war und kein Einkommen erbrachte. Nachdem sich Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter als wenig effektiv erwiesen hatten, warben sie mit erheblichen Privilegien und Versprechen um freiwillige Neusiedler aus den alten Reichsgebieten. Beginnend in den Grenzmarken siedelten die Fürsten Menschen aus dem Reich an, indem ihnen Landbesitz und verbesserte Rechtsstellung gewährt wurden.
Der Landesausbau in der Germania Slavica war nicht nur mit Dorf-, sondern auch mit Stadtgründungen verbunden. Es gab bereits slawische Burgstädte wie Lübeck, Brandenburg an der Havel oder Krakau, die bereits Herrschaftsmittelpunkte waren, jedoch durch gezielte Neuansiedlungen und Erweiterungen vom Ende des 12. Jahrhunderts an substantielle Zuwächse erfuhren. Auch die Ansiedlung eines Bischofssitzes, wie in Havelberg, konnte zur Stadtentstehung führen. Daneben wurden Städte aus dem Nichts gegründet, wie Neubrandenburg, wobei wie bei den Dörfern Lokatoren zum Einsatz kamen.
Die heidnischen Religionen der Wenden sahen sich schon vor Beginn der Ostsiedlung, seit der Regierung Ottos I. und der Gründung von Bistümern östlich der Elbe, Christianisierungsversuchen ausgesetzt. Der Slawenaufstand von 983 warf diese Bemühungen für fast 200 Jahre zurück. Anders als die schon vor der Jahrtausendwende christianisierten Tschechen und Polen ging die Bekehrung der Elbslawen zum Christentum anfangs mit Gewalt einher, wobei die Zwangsmittel durch das universale Geschichtsverständnis des Christentums legitimiert wurden.