Slawenaufstand von 983
Erhebung elbslawischer Stämme gegen die sächsische Tributherrschaft
rotz der Kriegszüge Heinrichs I. und Ottos I. hatten die Bemühungen um eine Christianisierung der Elb- und Ostseeslawen nur mäßigen Erfolg. Zuletzt hatte Otto I. am 16. Oktober 955 in der Schlacht an der Raxa eine antisächsische Koalition aus Tollensanen und Zirzipanen besiegt, was zu einer Tributpflicht der slawischen Stämme führte, nicht jedoch zu einer Eroberung ihres Territoriums. Eine Christianisierung war mit dem Feldzug nicht beabsichtigt. Um die christliche Mission voranzutreiben, stiftete Otto I. im Jahr 948 die Bistümer Havelberg und Brandenburg, die zusammen mit den Bistümern Zeitz, Merseburg und Meißen 968 dem neu geschaffenen Erzbistum Magdeburg unterstellt wurden. Damit war eine feste Eingliederung der slawischen Gebiete in den Reichs- und Kirchenverband beabsichtigt. Auf dem Gebiet des Abodritenreiches hatte der Schleswiger Bischof Marco auf Anweisung des Hamburg-Bremer Erzbischofs Adaldag bereits mit der Slawenmission begonnen. Für das Abodritengebiet wurde deshalb zwischen 968 und 972 das Bistum Oldenburg eingerichtet.
Während im Reich um die Nachfolge des Erzbischofs Adalbert von Magdeburg und des Kaisers Otto II. gestritten wurde, erhoben sich im Sommer 983 slawische Verbände unter Führung der Liutizen und vertrieben die kirchlichen und politischen Vertreter des Reiches. Am 29. Juni überfielen liutizische Heerhaufen überraschend Havelberg und zerstörten den dortigen Bischofssitz. Drei Tage später nahmen sie Brandenburg ein, Residenz des Markgrafen Dietrich von Haldensleben und Bischofssitz. Dietrich verteidigte die Burg zunächst, bevor er mit der Burgbesatzung und Bischof Volkmar die Flucht antrat. Die Geistlichkeit wurde gefangen genommen und der Kirchenschatz geplündert. Die Angreifer verwüsteten alle Ortschaften bis zum Tanger, selbst Magdeburg war offenbar unmittelbar bedroht. Ein in Eile aufgestelltes sächsisches Heer aus Aufgeboten von Erzbischof Giselher von Magdeburg, Bischof Hildeward von Halberstadt, Dietrich von Haldensleben und den Grafen Rikdag und Hodo, Binizo, Friedrich, Dudo und Siegfried I. drängte die Slawen Ende Juli oder Anfang August im Balsamerland hinter die Elbe zurück. Die Lausitz und die sorbischen Marken hatten sich nicht am Aufstand beteiligt.
Ab 985 unternahmen die Reichsfürsten gemeinsam mit den polnischen Fürsten Mieszko I. und später Bolesław I. jährliche Kriegszüge, um das Gebiet der Lutizen zu unterwerfen, doch die Feldzüge erwiesen sich als wirkungslos. König Heinrich II. entschloss sich zu einem Wechsel der Politik: Er schloss im Jahre 1003 ein Bündnis mit den heidnischen Liutizen und führte ab 1004 Kriege gegen das bisher verbündete christliche Herzogtum Polen unter Bolesław I. Die slawisch-heidnische Herrschaft der Liutizen konnte sich so bis ins 12. Jahrhundert halten. Die unmittelbare Folge des Slawenaufstandes war ein Stopp der Christianisierung für die nächsten 200 Jahre. Die Bischöfe von Brandenburg und die Bischöfe von Havelberg lebten fortan als Titularbischöfe außerhalb ihrer Bistümer, zumeist am königlichen Hof. Erst im 12. Jahrhundert wurde nach erneuter Eroberung mit der deutschen Ostsiedlung die Christianisierung jenseits der Elbe wirksam.