Huldrych Zwingli
Schweizer Theologe, Gründer der reformierten Kirche
m Spätsommer 1506 wurde Zwingli zum leitenden Pfarrer in Glarus gewählt, seine Einführung erfolgte 1507. Ursprünglich sollte der Zürcher Chorherr Heinrich Göldi die Pfründe erhalten, doch die Glarner wollten ihren Priester selbst wählen. Göldi verlangte eine hohe Abfindung, für die Zwingli bei den Glarnern einen Kredit aufnehmen musste. Die Pfarrei umfasste neben Glarus auch Riedern, Netstal, Ennenda und Mitlödi. Als Zwingli 1516 um Entlassung bat, versprachen die Glarner ein besseres Pfarrhaus, falls er bliebe.
Am 1. Januar 1519 trat Zwingli sein Amt als Leutpriester am Grossmünsterstift in Zürich an, dem nach der Kathedrale angesehensten geistlichen Stift im Bistum Konstanz. Seine klaren Predigten überzeugten Volk und Rat, sodass 1520 alle Prediger in Stadt und Land angewiesen wurden, das Evangelium nach Zwinglis Auslegung zu predigen. 1519 erkrankte Zwingli an der in Zürich ausgebrochenen Pest, überlebte, blieb aber ein Jahr geschwächt und schrieb das Pestlied. 1522 veröffentlichte er seine erste reformatorische Schrift gegen das Fasten, ausgelöst durch das Fastenbrechen bei seinem Freund Christoph Froschauer.
Am 29. Januar 1523 fand die erste Zürcher Disputation statt, bei der rund 600 Personen zusammenkamen und der Rat Zwingli den Sieg über die Abgeordneten des Bischofs von Konstanz zusprach. Vom 26. bis 28. Oktober 1523 folgte vor fast 900 Zeugen die zweite Disputation über Bilderdienst und Messe, in deren Folge die Bilder innerhalb eines halben Jahres entfernt werden sollten. Am 13. und 14. Januar 1524 beseitigte die dritte Disputation auch die Messe. Der Rat ordnete unter Zwinglis Beratung Schul-, Kirchen- und Ehewesen neu und erliess Sittengesetze. Zwingli unterstützte dabei auch die Vertreibung und Ermordung von Täufern wie seines früheren Weggefährten Felix Manz.
Zwingli lehnte Luthers Zwei-Reiche-Lehre ab und sah Kirche und Staat in enger Zusammenarbeit. Philipp der Grossmütige, Landgraf von Hessen, organisierte im Oktober 1529 in Marburg ein Streitgespräch zwischen Zwingli und Martin Luther, das an theologischen Differenzen scheiterte. 1530 planten Philipp und Zwingli einen Bund von der Adria bis zum Belt und zum Ozean gegen den Habsburger. Bereits im Januar 1528 hatte Zwingli bei einem Religionsgespräch in Bern diesen Kanton für die Reformation gewonnen, und der Erste Kappeler Landfrieden von 1529 hatte die Gefahr eines Glaubenskriegs zunächst gebannt.