Ingelheim am Rhein
Kreisstadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz
b dem 5. Jahrhundert siedelten Franken im Raum Ingelheim. Ober-Ingelheim entwickelte sich als eine der ersten Siedlungen zum Dorf. Die Region wurde später als Ingelheimer Reich, ab dem 14. Jahrhundert als Ingelheimer Grund bekannt. Überregionale Bedeutung erlangte das Ingelheimer Reich durch den Beschluss Karls des Großen, ein Königsgut der Merowinger zur Kaiserpfalz auszubauen, wobei etwas später Nieder-Ingelheim entstand. Karls erster urkundlich nachgewiesener Aufenthalt datiert von 774, insgesamt hielt er sich drei- bis viermal in Ingelheim auf. Sein Nachfolger und Sohn Ludwig der Fromme hielt sich noch öfter, mindestens zehnmal, in Ingelheim auf.
1488 wurde der Kosmograph Sebastian Münster geboren, Mitautor der Cosmographia, eines der meistgelesenen Bücher des 16. und 17. Jahrhunderts neben der Bibel. Mitte des 16. Jahrhunderts gab es im Ingelheimer Grund Hexenprozesse, bei denen drei Frauen verbrannt wurden. Im 17. Jahrhundert verhinderte der wachsende Einfluss der Kurpfalz auf das Gerichtswesen weitere Prozesse. Der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg verschonten die Ingelheimer Orte weitgehend in ihrer Bausubstanz, doch der Wohlstand ging in diesen Jahrhunderten deutlich zurück.
Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 setzten die Nationalsozialisten alle Kommunalpolitiker ab. Teile der Bevölkerung wurden verfolgt, zuerst Kommunisten, dann Andersdenkende, Sinti, Roma, Zeugen Jehovas, Sozialdemokraten und Separatisten, schließlich jüdische Bürger. Am 9. März 1933 gab es erste Hausdurchsuchungen durch SA und SS bei Regimegegnern. 1935 wurde Juden fast zeitgleich der Zuzug und die Nutzung gemeindlicher Einrichtungen verboten, Besuche von Juden waren unerwünscht und wurden durch Schilder gekennzeichnet. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Ober-Ingelheimer Synagoge zerstört.