Italienzug
Heerfahrten der fränkischen und später der römisch-deutschen Könige und Kaiser nach Italien
Ziel und Zweck der Züge
er erste Italienzug eines Herrschers führte meist zur Kaiserkrönung durch den Papst in Rom, weshalb die Bezeichnung Romfahrt oder Romzug gebräuchlich war. Teilweise ging dieser Krönung die Erhebung zum König von Italien voraus. Neben der symbolischen Bedeutung dienten die Züge der Sicherung der Reichsherrschaft, der Wahrung kaiserlicher Rechtsansprüche und der Nutzung der finanziellen Ressourcen der reichsitalienischen Kommunen, deren Wirtschaftskraft die Einkünfte im nordalpinen Reichsteil deutlich überstieg.
Konflikte und Konstellationen
Die Züge waren häufig von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem König oder Kaiser und dessen Unterstützern und Gegnern unter den Kommunen und Fürsten Italiens begleitet, wie sie im Rahmen von Ghibellinen und Guelfen beschrieben werden. Die Konfliktlinien waren dabei komplexer als die im 19. und 20. Jahrhundert geprägte Vorstellung eines Grundgegensatzes zwischen Kaiser und Städten. Die Konkurrenz der Kommunen und Signorien untereinander führte zu wechselnden Bündnissen, in denen diese sich mal für das Reichsoberhaupt, mal für dessen Gegner entschieden.
Herrschaft, Verwaltung und Wandel
Die Reichsherrschaft in Reichsitalien blieb im Mittelalter relativ schwach, da eine ausreichende Verwaltungsstruktur fehlte und die Wahrnehmung von Reichsansprüchen die persönliche Anwesenheit des Kaisers erforderte. Diese Anwesenheit führte zu einer erhöhten Zahl von Beurkundungen für italienische Empfänger. Formal war der Erzbischof von Köln Erzkanzler für Italien, doch verlor dieses Amt im 13. Jahrhundert an Bedeutung. Nach einer These von Marie-Luise Favreau-Lilie wandelte sich der Charakter der Romzüge im 15. Jahrhundert, sie verloren ihre stark militärische Ausrichtung.
Neuere Forschung und Grundlagen
Neuere Forschung betrachtet das Handeln der ostfränkisch-deutschen Könige und Kaiser nicht mehr allein als einseitigen Einfluss von Nord nach Süd, sondern als Resultat eines Wechselspiels vieler Akteure. Aus der Pflicht der Reichsstände zur Heeresfolge als Vasallen leitet sich der Römermonat ab, der das zu stellende Truppenkontingent und den dafür nötigen Sold als Berechnungsgrundlage für Steuern im Heiligen Römischen Reich in den Reichsmatrikeln festhielt.