Jobst von Mähren
römisch-deutscher König, Markgraf von Mähren und Markgraf von Brandenburg
obst war ein Sohn von Johann Heinrich, dem Markgrafen von Mähren, und Margarethe von Troppau. 1375 erbte er Mähren, das er mit seinem Bruder Prokop teilen musste, was zu Streit führte. Jobst galt als gewandter, machthungriger Politiker, der bereit war, die Seiten zu wechseln. Sein Vetter Sigismund verlieh ihm für ein Darlehen die Markgrafschaft Brandenburg, zunächst als Pfand, seit 1388 mit vollen Kurfürstenrechten, 1397 folgte die förmliche Belehnung durch Wenzel. 1389 erhielt er das Herzogtum Luxemburg. Jobst wechselte wiederholt die Bündnisse, mit Sigmund von Ungarn, den Habsburgern, Wilhelm von Meißen und dem böhmischen Adel, meist gegen seinen Mitregenten Prokop und gegen Wenzel. 1394 nahm er Wenzel gefangen und ließ sich zum Verwalter Böhmens ernennen, wurde aber später aus Prag vertrieben. Nach dem Tod Johanns von Görlitz übernahm er dessen Besitz und rivalisierte mit Sigmund um die Macht in Böhmen. 1401 wurde ihm die Herrschaft über die Lausitz zugesichert, 1405 nach Prokops Tod auch über ganz Mähren, wofür er Wenzel Treue schwor.
Nach dem Tod König Ruprechts am 18. Mai 1410 waren Jobst und Sigismund die beiden Kandidaten für die Nachfolge. Die Königswahl brachte keinen klaren Sieger. Zwei Kurfürsten, Erzbischof Werner von Trier und Pfalzgraf Ludwig bei Rhein, einigten sich am 20. September 1410 auf Sigismund, der zudem die brandenburgische Kurstimme für sich beanspruchte. Zugleich hatten sich Jobst und Wenzel auf eine Teilung der Kaiser- und Königswürde verständigt, sodass am 1. Oktober 1410 eine Gegenwahl mit fünf Stimmen auf Jobst fiel. Sein plötzlicher Tod im Januar darauf, möglicherweise durch Vergiftung, führte dazu, dass die Herrschaft über das Reich an Sigismund fiel. Jobst war zweimal verheiratet, mit Elisabeth von Oppeln und später mit deren Tante Agnes von Oppeln, beide Ehen blieben kinderlos. Er wurde am 20. Februar 1411 in der Thomaskirche in Brünn beigesetzt.
Jobst von Mähren wurde an der Fassade des Statthalterpalais in Brünn vom Bildhauer Johann Leonard Weber in den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts in barocken Skulpturen dargestellt. Eine Hauptstraße im Zentrum von Brünn trägt seinen Namen. Am 28. Oktober 2015 wurde in Brünn eine Reiterstatue enthüllt, die Jobst darstellt. Die 8 Meter hohe Statue des Bildhauers Jaroslav Róna zeichnet sich durch überdimensional lange Beine des Pferdes aus.