Wenzel (HRR)
römisch-deutscher König und als Wenzel IV. König von Böhmen, Kurfürst von Brandenburg
enzel war der älteste Sohn Karls IV. und seit früher Kindheit als Nachfolger vorgesehen. 1363 wurde er zum König von Böhmen gekrönt, seit 1373 war er auch Markgraf von Brandenburg. Am 10. Juni 1376 wählte man ihn in Frankfurt am Main zum Rex Romanorum, die Krönung folgte am 6. Juli 1376 in Aachen durch Friedrich III. von Saarwerden. Nach dem Tod seines Vaters 1378 trat er die Nachfolge im Reich an, während die Mark Brandenburg an seinen Halbbruder Sigismund fiel. Um Reichsangelegenheiten kümmerte sich Wenzel selten. Es kam zu Kampfhandlungen mit dem Schwäbischen Städtebund, als er die Landvogtei im Herzogtum Schwaben den Habsburgern übertragen wollte. Mit dem Landfrieden von Eger stellte er sich auf die Seite der Fürsten gegen die Städte. Sein Verhalten nahm despotische Züge an, unfähige Berater verstärkten die Unzufriedenheit. Der Kanzler Johann von Jenstein wurde 1384 abgesetzt, und der Widerstand des böhmischen Adels wuchs, verstärkt durch die Ermordung des Generalvikars Johannes Nepomuk.
Innerhalb der Luxemburger-Dynastie brachen Machtkämpfe aus, angefacht durch Wenzels Cousin Jobst von Mähren. Am 8. Mai 1394 wurde Wenzel vom Adel in Königshof gefangen genommen und nach Wildberg in Oberösterreich verlegt, bis er am 30. Juni 1394 freikam. Der Friede hielt nicht: Ende 1394 formierte sich erneuter Widerstand, Wenzel wurde später erneut inhaftiert, diesmal im Weißen Turm auf der Prager Burg, und musste seinen Cousin Jobst zum Hauptmann Böhmens ernennen. Sein Bruder Johann von Görlitz stellte sich auf seine Seite, es kam zu Kämpfen, bis am 2. April 1396 durch Vermittlung Sigismunds ein weiterer Friede geschlossen wurde. 1397 verschärfte sich die Lage erneut, als der König wieder Günstlinge des niederen Adels bevorzugte. Bei Verhandlungen auf der Burg Karlstein am 11. Juni 1397 wurden mehrere königstreue Berater ermordet, was Wenzel nur apathisch aufnahm.
1397 hielt Wenzel Reichstage in Frankfurt am Main und Nürnberg ab, hielt die dort gegebenen Versprechen aber nicht ein. Die rheinischen Kurfürsten luden ihn nach Oberlahnstein vor und beriefen sich auf die Goldene Bulle Karls IV., die ihnen auch das Recht gebe, einen unfähigen König abzusetzen. Am 20. August 1400 erklärten die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln sowie Pfalzgraf Ruprecht Wenzel auf Burg Lahneck in Oberlahnstein für abgesetzt. Am folgenden Tag wählten sie in Rhens den Wittelsbacher Ruprecht von der Pfalz zum König. Bald darauf verlor Wenzel auch die letzten Reste von Neuböhmen an Ruprecht.