Ruprecht (HRR)
römisch-deutscher König
eit dem Tod Karls IV. 1378 regierte dessen Sohn Wenzel, der sich zunehmend auf Böhmen konzentrierte und im übrigen Reich kaum Präsenz zeigte. Dadurch entfremdete er sich von den rheinischen Kurfürsten. 1394 wurde er von der böhmischen Adelsopposition gefangen genommen, worauf Ruprecht mit einem Heer nach Böhmen zog und seine Freilassung erreichte. Statt die Kurfürsten stärker einzubinden, machte Wenzel 1396 seinen Halbbruder Sigismund zum Reichsvikar mit königsgleichen Befugnissen, was das Selbstverständnis der Kurfürsten verletzte. Ein Ausgleich scheiterte, und die rheinischen Kurfürsten verfolgten seit Mitte der 1390er Jahre verstärkt eigene Interessen und suchten Verbündete unter den übrigen Reichsfürsten.
Einen Tag nach Wenzels Absetzung wurde der 48-jährige Ruprecht zum König gewählt. Den rheinischen Kurfürsten hatte er zuvor Zugeständnisse bei Zöllen und Landfriedenspolitik gemacht. Die Wahl fand auf dem Königsstuhl von Rhens statt, da ihm sowohl Aachen als auch Frankfurt zunächst den Zugang verweigerten. Erst nach über sechs Wochen Lager vor den Mauern durfte er am 26. Oktober in Frankfurt einziehen, das danach zu einem wichtigen Stützpunkt wurde. Aachen hielt bis 1407 Distanz. Am 6. Januar 1401 wurde Ruprecht in Köln gekrönt, jedoch ohne die Reichsinsignien, die Wenzel nicht herausgab, sodass er sich mit einer eigens gefertigten, preiswerten Krone begnügen musste. Ein Ausgleichsversuch zwischen beiden Königen scheiterte im Sommer 1401 an weiteren gegenseitigen Forderungen.
Im Frühjahr 1401 bereitete Ruprecht einen Italienzug vor, um Reichsitalien wieder stärker an die Krone zu binden und bei Erfolg Ehre und Ansehen zu gewinnen. Am 1. August 1401 wurden Urkunden für den Fall seines Todes ausgestellt, seine Söhne mussten die Primogenitur anerkennen. Am 9. September ernannte er seinen Sohn Ludwig zum Stellvertreter in der Pfalzgrafschaft und vier Tage später zum Reichsvikar für die Dauer des geplanten Romzuges, dessen Ziel die Kaiserkrönung war. Da Ruprecht nicht über genügend eigene Mittel verfügte, war er auf Kredite oberdeutschen und florentinischen Großkapitals angewiesen, was ihm den Beinamen „Condottiere von Florenz“ einbrachte.
In den Monaten vor seinem Tod versuchte der Mainzer Erzbischof Johann verstärkt, Ruprecht abzusetzen. Ruprecht suchte verzweifelt Unterstützung und reiste zwischen März und Mai 1410 zwischen Marburg, Heidelberg, Nürnberg und Oppenheim. Kurz vor seinem Tod ließ er seine Krone verkaufen, um Schulden bei Handwerkern zu begleichen. Am 18. Mai 1410 starb er mit 58 Jahren auf der Burg Landskron bei Oppenheim und wurde zwei Tage später in der Heiliggeistkirche beigesetzt. An seinem Begräbnis nahmen weder Kurfürsten noch bedeutende Reichsfürsten teil, nur seine Söhne und der Erzbischof von Riga waren zugegen. Am 9. Juni fand in Heidelberg ein weiteres Begängnis statt, ebenfalls ohne große Reichsfürsten. Die Deckplatte seines Hochgrabs überstand später die Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1693.