Johann Georg I. (Sachsen)
Kurfürst von Sachsen aus dem Hause Wettin (albertinische Linie)
ohann Georg I. übernahm die Regierung in einer Zeit wachsender Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken. Obwohl er als Landesherr des mächtigsten protestantischen Territoriums zur Führung der evangelischen Reichsstände prädestiniert gewesen wäre, hielt seine Regierung an der traditionellen Ausgleichspolitik Sachsens fest, die den status quo des Augsburger Religionsfriedens wahren sollte. Eine engere Verbindung mit den Calvinisten unter Friedrich V. von der Pfalz lehnten die herrschenden Kräfte im lutherischen Sachsen ab. Das Kaisertum der katholischen Habsburger erkannte Johann Georg uneingeschränkt an. 1619 lehnte er die ihm von Joachim Andreas von Schlick angetragene Bewerbung um die böhmische Krone ab, da er sich sonst gegen Ferdinand II. hätte stellen müssen. Nach dem Tod des Kaisers Matthias im März 1619 unterstützte er als Reichsvikar die Wahl Ferdinands II. zum römischen Kaiser und ging ein Bündnis mit ihm ein.
Der als Reichsexekution übertragene Krieg gegen die böhmischen Nebenländer und die einsetzende Gegenreformation wertete Johann Georg als Bruch der Vereinbarungen mit dem Kaiser, blieb aber zunächst neutral. Nach der Zerstörung Magdeburgs im Mai 1631 und dem Einfall Tillys in Kursachsen schloss er am 11. September 1631 ein Bündnis mit Gustav Adolf von Schweden. Das sächsische Heer vereinigte sich bei Bad Düben mit den Schweden und war Nutznießer des Sieges bei Breitenfeld. Nach dem Tod Gustav Adolfs bei Lützen 1632 und der kaiserlichen Sieg bei Nördlingen 1634 verließ Johann Georg das schwedische Bündnis und verhandelte mit dem Kaiser. Am 30. Mai 1635 wurde der Frieden zu Prag geschlossen, durch den Sachsen die beiden Lausitzen als erblichen Besitz erhielt. Es folgten weitere Kämpfe gegen die Schweden unter Banér und Torstensson, darunter die Belagerung Magdeburgs 1636, der Verlust Leipzigs 1642 und der Waffenstillstand von Kötzschenbroda 1645. Der Westfälische Friede bestätigte schließlich die Erwerbungen des Prager Friedens.
Mit seinen Landständen lag Johann Georg I. wegen der hohen Verschuldung des Landes häufig im Streit. Er galt als Jäger und Trinker mit dem Spottnamen Bierjörge und ließ mehrere Jagdschlösser errichten, darunter Hoflößnitz, Schloss Börln und die zur Johann-Georgenburg umgestaltete Festung Königstein. Streng lutherisch verbunden, wurde seine Bekenntnistreue von seinem Oberhofprediger Hoe von Hoenegg gefördert. Er heiratete 1604 Sibylle Elisabeth von Württemberg und nach deren Tod 1607 Magdalena Sibylle von Preußen. 1654 genehmigte er die Gründung von Johanngeorgenstadt durch böhmische Exulanten. Er starb am 8. Oktober 1656 in Dresden und wurde im Freiberger Dom beigesetzt.