Johann Ohneland
König von England, Herr von Irland, Herzog von Aquitanien, Herzog der Normandie, Graf von Anjou (1199-1216)
Der Verlust der Normandie
ährend Philipp II. die Normandie von Osten angriff, fiel Arthur mit rebellischen Adligen von der Bretagne aus in Johanns Besitzungen an der Loire ein. Johann schlug die Rebellen Ende Juli 1202 bei Mirebeau vernichtend und nahm Arthur gefangen, nutzte den Erfolg jedoch nicht. Über die Verteilung der Gefangenen kam es zum Bruch mit Guillaume des Roches und Aimery de Thouars. Bis Ende 1202 musste sich Johann aus dem nördlichen Poitou, dem Anjou, Maine und der Grafschaft Tours zurückziehen. Im Frühjahr 1203 schadeten Gerüchte über das Schicksal Arthurs seinem Ansehen schwer, angeblich soll er ihn selbst in Rouen erschlagen haben. Philipp II. griff die Normandie erneut an, immer mehr normannische Adlige wechselten die Seiten, und im Dezember 1203 verließ Johann die Normandie endgültig und segelte nach England.
Streit mit dem Papst
Johann wollte wie viele Herrscher die Kirche beherrschen. Schon 1198 hatte er als Lord of Ireland den Erzbischof von Dublin ins Exil getrieben und damit den Papst verärgert. Als Herzog von Aquitanien brachte sein Umgang mit den Bischöfen von Limoges und Poitiers Papst Innozenz III. gegen ihn auf, der 1203 mit dem Interdikt über der Normandie drohte, worauf Johann sich fügte. In England dagegen wollte er die traditionell stärkere königliche Gewalt über die Bischöfe behalten. 1205 setzte er Peter des Roches als Bischof von Winchester ein. Nach dem Tod von Erzbischof Hubert Walter wollte Johann seinen Sekretär John de Gray als Nachfolger durchsetzen, doch die Mönche wählten heimlich ihren Prior Reginald, der nach Rom reiste, um seine Bestätigung durch Innozenz III. zu erhalten.
Die Magna Carta
Johanns Forderungen stießen bei seinen Vasallen auf einhellige Ablehnung. Eine Gruppe unzufriedener Barone unter Eustace de Vesci und Robert Fitzwalter verlangte eine königliche Charter, die ihre traditionellen Rechte und Freiheiten bestätigen sollte, und drängte auf einen offenen Bürgerkrieg. Johann zögerte, doch als sich im Mai 1215 die City of London den Rebellen anschloss, stimmte er auf Drängen von Erzbischof Stephen Langton Verhandlungen zu. Am 15. Juni akzeptierte er in der Magna Carta die Forderungen der Rebellen, womit der Bürgerkrieg vorerst beendet war.
Der Tod des Königs
Im September unternahm Johann eine Gegenoffensive, um Lincoln zu entsetzen. In der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober erkrankte er wahrscheinlich an der Ruhr. Am 10. Oktober machte er noch eine Stiftung an Margaret de Braose zugunsten ihrer Eltern und ihres im Kerker gestorbenen Bruders William. In den folgenden Tagen verschlechterte sich sein Zustand, und vermutlich ging ein Teil seines Trosses mit den Kronjuwelen bei einer Durchquerung des Wash verloren. Johann erreichte noch Newark, wo er in der Nacht zum 19. Oktober 1216 starb. Da die traditionelle Grabstätte seiner Familie, die Abtei Fontevrault im Anjou, nicht mehr in seinem Reich lag, wurde er seinem Wunsch gemäß in der Kathedrale von Worcester begraben, zwischen den Gräbern der Heiligen Oswald und Wulfstan.