Johanna (Kastilien)
Königin und Titularkönigin von Kastilien und Aragonien
ohanna wurde mit Philipp dem Schönen, dem einzigen Sohn Kaiser Maximilians I. und ab 1494 Herzog von Burgund, verheiratet. Ihr Bruder Johann heiratete 1497 dessen Schwester Margarete von Österreich. Durch diese Doppelhochzeit wurde Frankreich von habsburgischen Besitzungen eingerahmt, was die Grundlage für den habsburgisch-französischen Gegensatz bildete. Johanna traf Philipp erstmals am 20. Oktober 1496, worauf sofort die Trauung im Kloster von Lier vollzogen wurde. Sie liebte ihren Mann heftig und war eifersüchtig, versuchte zeitweise, Frauen aus seiner Umgebung zu entfernen. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, die alle gesund zur Welt kamen: die zwei Söhne wurden Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, die vier Töchter Königinnen.
Nach dem Tod ihrer Mutter Isabella am 26. November 1504 erklärte Ferdinand II. Johanna zur Königin von Kastilien, übte aber weiterhin die Herrschaft als Regent aus. Philipp bezeichnete sich in einer Urkunde vom 18. Januar 1505 selbst als König von Kastilien und war nicht bereit, auf Macht zu verzichten. Nach Verhandlungen kam es am 24. November 1505 zur Übereinkunft von Salamanca, wonach Philipp gemeinsam mit Johanna als König anerkannt wurde. Ferdinand erhielt den Titel eines ständigen Regenten für Zeiten, in denen Philipp sich nicht in Kastilien aufhielte. Auf einer Reise nach Kastilien geriet die Flotte in einen Sturm, das Königspaar suchte drei Monate Schutz in England bei König Heinrich VII., bevor die Reise im April 1506 fortgesetzt wurde.
Nach Philipps Tod widmete sich Ferdinand II. der Eingliederung Neapels in die Krone von Aragón, ohne dafür die päpstliche Investitur zu erhalten. Nach seiner Rückkehr aus Neapel traf er im August 1507 seine Tochter Johanna, die ihm alle Regierungsgeschäfte übertragen wollte. Formal blieben Dokumente weiter im Namen Johannas ausgestellt, doch bestimmte Ferdinand die Politik der nächsten acht Jahre allein. Im Februar 1509 verfügte er Johannas Festsetzung im königlichen Palast von Tordesillas, um seine eigene Regentschaft zu festigen und eine mögliche Regentschaft Kaiser Maximilians I. auszuschließen.