Johannes XVI.
Gegenpapst zu Gregor V.
ohannes Philagathos kam aus Rossano, das damals zum Oströmischen Reich gehörte und heute in Kalabrien liegt. Er war Grieche und wurde von Kaiserin Theophanu, der griechischen Gemahlin Ottos II., an den sächsischen Hof geholt. Übler Nachrede zufolge sollen die Kaiserin und ihr Berater ein ehebrecherisches Verhältnis unterhalten haben. Er war Lehrer von Kaiser Otto III. und von Gregor V.
Zwischen 980 und 982 sowie in den Jahren 991 und 992 diente er als kaiserlicher Kanzler in Italien. Seit 982 war er Abt von Nonantola, seit 988 Erzbischof von Piacenza. Otto III. schickte ihn gemeinsam mit dem Würzburger Bischof Bernward nach Byzanz, um dort eine Braut zu finden. Auf der Rückkehr ließ er sich von Crescentius I. Nomentanus verleiten, sich vom römischen Klerus zum Bischof wählen und vom Volk bestätigen zu lassen. In der Beurteilung der Lage verschätzte er sich offenbar völlig. Otto zog deshalb 998 nach Rom.
Vor der Ankunft des Heeres floh Johannes in die Campagna. In einem Turm wurde er entdeckt, grauenhaft entstellt und nach Rom gebracht. Ohne Augen, Ohren, Nase und Zunge, in päpstliche Gewänder gehüllt, verkehrt herum auf einem Esel sitzend und mit einem ausgehöhlten Kuheuter als Mütze führte man ihn in einer Schandprozession durch Rom und auf Befehl von Papst Gregor V. vor eine Synode. Dort wurde er formell abgesetzt. Danach führte man ihn erneut auf dem Esel durch die johlende Menge. Schließlich wurde er in ein Kloster abgeschoben, in dem er vermutlich auch starb.
Weder der Kaiser noch der Papst trugen eine Schuld an den Verstümmelungen. Doch das vom Papst befohlene Schauspiel in Rom war eine Schande für beide. Vor dem Spektakel erschien der fast neunzigjährige Einsiedler Nilus von Rossano, der den Gegenpapst ein Jahr zuvor vor allzu großem Ehrgeiz gewarnt hatte, und flehte um Gnade. Als beide dies verweigerten, drohte er laut mit dem Gottesgericht. Nach der Absetzung war Gregor V., ein Cousin von Otto III., wieder unumstrittener Pontifex Maximus. Die Crescentier hatten jedoch noch nicht aufgegeben.