Kaiserliche Armee (HRR)
Soldaten des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches in der frühen Neuzeit
ie Habsburger stellten seit der Frühen Neuzeit fast durchgängig die römisch-deutschen Kaiser. Kaiser war ein Titel, der an eine Person und nicht an ein Fürstentum gebunden war. Als das Haus Habsburg 1740 im Mannesstamm ausstarb, wurde die Armee daher als Königlich Ungarische Armee bezeichnet. Die vom Kaiser aufgestellte Armee hatte Privilegien im ganzen Heiligen Römischen Reich. Der Kaiser hatte das Recht, in den Reichsstädten Truppen zu werben, die Kurfürstentümer blieben davon ausgeschlossen. Alle anderen Territorien konnten die Rekrutierung nicht unterbinden. Unabhängig davon stellte der Reichstag die Reichsarmee auf, deren Regimenter von den Reichskreisen gestellt wurden.
Im kaiserlichen Interregnum 1740 bis 1742 waren die habsburgischen Truppen nicht mehr die Armee des Kaisers, sondern der Königin von Ungarn. Im Österreichischen Erbfolgekrieg kämpfte Königin Maria Theresia mit dem Haus Habsburg um das Überleben im europäischen Mächtesystem. Ihr Kampf um die römische Kaiserwürde für ihren Ehemann Franz Stephan von Lothringen ging zunächst verloren. Mit der Inthronisation Kaiser Karls VII. aus dem Haus Wittelsbach galt ab 1742 die Bayerische Armee als kaiserlich. Preußens König Friedrich II. ließ daher im Zweiten Schlesischen Krieg die Preußische Armee als kaiserliche Hilfstruppen auftreten. Ein Jahr nach dem Verlust der Kaiserwürde schrieb die ungarische Königin ihren Truppen Grün statt Gold für die Offiziersschärpen und Truppenfahnen vor, denn Gold galt stets als kaiserliches Attribut.
Nach der Wahl Franz Stephans zum Kaiser im Jahr 1745 bekamen die Truppen die kaiserlichen Zeichen zurück. Maria Theresia ließ sich zwar Kaiserin nennen, legte aber auf die Krönung als Kaiserin keinen Wert. Die Armee hieß nun römisch kaiserlich-königlich. Der Begriff österreichisch setzte sich umgangssprachlich im Siebenjährigen Krieg 1756 bis 1763 und den folgenden Auseinandersetzungen durch. Auch Kaiser Joseph II. leistete mit seinen zentralisierenden Reformen einer kaiserlichen Reichspolitik immer weniger Vorschub. Schon 1804 wurde die österreichische Kaiserwürde eingeführt, zwei Jahre später legte der österreichische Kaiser auch die römisch-deutsche Kaiserwürde ab. Aus verbliebenen Teilen der römisch kaiserlich-königlichen Armee wurde die österreichische Kaiserlich-Königliche Armee.
Kaiserliche Truppen kämpften in der Frühen Neuzeit in allen das Reich betreffenden Kriegen, meist im Verbund mit der Reichsarmee und zusätzlichen Territorialtruppen. Der Dreißigjährige Krieg bewirkte eine ungemein starke Rüstung des Kaisers. 1635 erreichte die Armee den Höchststand von 65 Regimentern zu Fuß, mit einer Nominalstärke von je 3000 Mann. Insgesamt wurden im Laufe des Krieges 532 Regimenter gegründet und entlassen. 1648 verblieben nur 9 Regimenter zu Fuß, 9 zu Pferde und das Dragonerregiment La Corona. Nach und nach entwickelte sich aus den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen ein stehendes kaiserliches Heer heraus.