Kaiserpfalz Goslar
Historisches Bauwerk und UNESCO-Welterbe in Niedersachsen
ie Ursprünge der Pfalz liegen vermutlich in einem königlichen Jagdhof der ottonischen Zeit. Heinrich II. ließ um 1005 einen ersten Pfalzbau errichten, der der nahegelegenen Pfalz Werla bald den Rang ablief. In den 1030er Jahren baute Konrad II. die Anlage aus und legte den Grundstein für die Liebfrauenkirche. Sein Sohn Heinrich III. führte das Areal zum Höhepunkt und berief 1048 den späteren Bischof Benno II. von Osnabrück nach Goslar. Unter dessen Leitung wurden in der ersten Hälfte der 1050er Jahre das heutige Kaiserhaus und die Stiftskirche St. Simon und Judas vollendet. Die jüngere Pfalzkapelle, eine dem heiligen Ulrich geweihte Doppelkapelle, entstand in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Das Kaiserhaus ist mit 54 Metern Länge und 18 Metern Tiefe der größte Profanbau seiner Zeit. Sein Zentrum bildet der zweigeschossige Saalbau mit zwei übereinanderliegenden Sälen von 47 Metern Länge und 15 Metern Breite, dem Sommersaal und dem Wintersaal. Der Wintersaal besaß eine Warmluftheizung, bei der Holz in Öfen verbrannt und die Wärme über Kanäle in den Saal geleitet wurde. Im Norden schloss sich ein Wohngebäude an, dessen Obergeschoss der kaiserlichen Familie vorbehalten war und Zugang zur Liebfrauenkirche bot. Unter Heinrich V. wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts ein zweites Wohngemach angefügt. 1132 stürzte der Saalbau ein, wurde aber wieder aufgebaut, wobei ein Quertrakt und eine Vorhalle als Altan hinzukamen.
Der Pfalzbezirk war Schauplatz bedeutender Ereignisse. Am 11. November 1050 wurde Heinrich IV. dort geboren. 1056 war Papst Viktor II. mehrere Wochen Gast Heinrichs III. An Pfingsten 1063 kam es beim Goslarer Rangstreit im Dom zu einem blutigen Gemetzel zwischen den Anhängern des Bischofs Hezilo von Hildesheim und des Abtes Widerad von Fulda. 1073 musste Heinrich IV. vor den aufständischen Sachsen aus der Pfalz auf die Harzburg fliehen. An Weihnachten 1075 empfing er dort ein Schreiben Papst Gregors VII. mit der Androhung der Exkommunikation, womit der Investiturstreit begann. 1081 ließ sich der Gegenkönig Hermann von Salm in der Pfalz krönen. Von 1152 bis 1188 war die Pfalz Austragungsort des Streits zwischen Friedrich I. und Heinrich dem Löwen. Im Juli 1219 hielt Friedrich II. dort einen Reichstag ab und erhielt die Reichsinsignien, die zuvor Otto IV. auf der Harzburg verwahrt hatte.