Karl III. (Ostfrankenreich)
Römischer Kaiser, König des Ostfrankenreiches
arl profitierte davon, dass alle übrigen karolingischen Familienmitglieder ohne regierungsfähige Erben verstarben. So erbte er nach und nach fast das gesamte Frankenreich in den Grenzen seines Urgroßvaters Karl der Große. 880 fiel ihm das Erbe seines Bruders Karlmann zu, das Königreich Italien. 882 erbte er von seinem Bruder Ludwig III. Franken, Thüringen, Sachsen, einen Teil Lotharingens und Baiern. 884 kam das Westfrankenreich als Erbe des westfränkischen Königs Karlmann hinzu. Karl unterhielt gute Beziehungen zu Papst Johannes VIII., der im Süden von Sarazenen bedroht wurde. 879 wandte sich der Papst an Karl, der noch im selben Jahr über die Alpen zog, sich vom italienischen Hochadel als König bestätigen ließ und in Ravenna zum König von Italien gekrönt wurde.
Nach dem Tod des westfränkischen Königs Ludwig II. des Stammlers beerbten ihn seine Söhne Ludwig III. und Karlmann. Da die Ehe ihrer Eltern 866 geschieden worden war, ließen sie sich von Karl III. adoptieren, um Zweifel an ihrer Legitimität auszuräumen. Beide starben jedoch bald: Ludwig II. bereits 882, Karlmann am 12. Dezember 884 im Alter von 18 Jahren nach einem Jagdunfall. Statt den nächsten Verwandten, den damals fünfjährigen Halbbruder, zu wählen, baten die führenden Kreise des westfränkischen Reiches Kaiser Karl III., die Herrschaft zu übernehmen. Am 20. Mai 885 wurde Karl wahrscheinlich in Grand in Südlothringen von Gilon, Bischof von Langres, zum Rex gekrönt. Im Juni 885 empfing er im Palast von Ponthion den Treueid der großen Vasallen des westfränkischen Reichs. Damit vereinigte Karl III. das Reich seines Urgroßvaters Karl des Großen, abgesehen von Niederburgund, zum letzten Mal. Es folgten Reichsversammlungen 885 in Toul und 886 in Metz.
Der gesundheitliche Zustand des Kaisers verschlechterte sich ab 887 zusehends, und seine Herrschaftsstrukturen zerbröselten. Es kam zum Zerwürfnis mit seinem Kanzler Liutward, der im Juni 887 entmachtet wurde und zu Arnolf von Kärnten überging. Der ostfränkische Adel wandte sich zunehmend von Karl ab und Arnolf von Kärnten zu. Im November 887 berief Karl eine Reichsversammlung nach Trebur ein, der jedoch kaum jemand folgte. Als die Nachricht kam, dass Arnolf mit einem Heer anrückte, begab sich Karl nach Frankfurt am Main, wo er am 17. November 887 seine letzte Urkunde ausstellte. Der Machtübergang auf Arnolf verlief offenbar ohne Gewalt. Karl erhielt zur Versorgung Güter in Neudingen, seinem alemannischen Stammland. Arnolf folgte ihm nur im ostfränkischen Reich, im Westfrankenreich setzte sich Odo durch. Karl III. starb am 13. Januar 888 in Neudingen an der Donau und wurde im Kloster Reichenau beigesetzt.