Konversion (Religion)
religiöser Bekenntniswechsel
Konversion als Prüfstein der Freiheit
onversion verlangt die Verinnerlichung der Anforderungen der neuen Glaubensgemeinschaft. Ein Religionswechsel gilt oft als Prüfstein dafür, wie viel Religionsfreiheit in einem Staat tatsächlich besteht. Mehrheitsreligionen haben im Lauf der Geschichte immer wieder versucht, Minderheiten und Dissidenten zur Konversion zu zwingen und Konversionen ihrer eigenen Gläubigen mit Strafandrohung zu verhindern. Noch im 20. Jahrhundert gab es in europäischen Familien Konversionsdruck auf angeheiratete Gläubige einer anderen Konfession, ein Phänomen, das in westlichen Kulturen inzwischen als verschwunden gilt. Wenn die Motive für religiöse Konversionen in der Persönlichkeit wurzeln, können sie mit Identitätskonflikten einhergehen, die durch den Glaubenswechsel gelöst werden sollen.
Konversion im Christentum
Im Christentum wird sowohl der Übertritt von einer anderen Religion als auch der Wechsel von einer christlichen Konfession zu einer anderen als Konversion bezeichnet. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Taufe. Verschiedene Konfessionen bieten Konversionswilligen Begleitung an, oft in Form eines Konvertitenunterrichts. Die Konversion wird gewöhnlich mit einer gottesdienstlichen Handlung in Gegenwart von Zeugen vollzogen, meist nach vorausgehender Buße oder Beichte. Wo die Taufe zwischen Konfessionen gegenseitig anerkannt ist, können Katechese mit Firmung oder Konfirmandenunterricht mit Konfirmation folgen. Gemeinschaften, die die Taufe der Herkunftskirche nicht anerkennen, verbinden die Konversion mit einer Konvertitentaufe.
Konversion im Osmanischen Reich
Im Islam genügt im Allgemeinen das Sprechen der Schahada verbunden mit dem gemeinsamen Gebet, um als Muslim zu gelten. Im Osmanischen Reich entstand eine eigene Konversionsliteratur. 1556 verfasste Murād ibn ʿAbdallāh, ein ungarischer Islam-Konvertit, einen Traktat zur Überlegenheit des Islams gegenüber Christentum und Judentum. Unter Sultan Ahmed I. wurde die Konversion institutionalisiert: 1609 wurden erstmals Namen von Islam-Konvertiten und die ihnen geschenkten Geldbeträge in Verzeichnissen festgehalten. Besonders große Aufmerksamkeit erregte die erzwungene Konversion des selbsterklärten jüdischen Messias Schabbtai Zvi, der 1666 von den osmanischen Autoritäten vor die Wahl zwischen Tod und Annahme des Islams gestellt wurde und sich für Letzteres entschied.