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Kurfürstentum Bayern

historisches Territorium des Heiligen Römischen Reiches

Vorgeschichte

ach dem Hausvertrag von Pavia sollte die Kurwürde von der pfälzischen und der bayerischen Linie der Wittelsbacher abwechselnd gehalten werden. Die Goldene Bulle von 1356 bedachte nur die pfälzischen Wittelsbacher; die bayerische Linie ging leer aus. Seither versuchten bayerische Herzöge mehrfach vergeblich, ebenfalls Kurfürst zu werden. Nach dem Ende des Landshuter Erbfolgekriegs wurde das Herzogtum Bayern am 30. Juli 1505 durch den Kölner Schiedsspruch unter Gebietsverlusten wiedervereinigt, während die Pfalz weiter in verschiedene Linien gespalten blieb, darunter die Heidelberger Kurlinie. Herzog Wilhelm IV. nahm 1546–1547 auf Seiten Karls V. am Schmalkaldischen Krieg teil, ohne die pfälzische Kurwürde zu erlangen. 1583 griff Wilhelm V. in den Kurkölnischen Krieg ein, nachdem Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg zum Protestantismus übergetreten war. Bis 1761 stellten die bayerischen Wittelsbacher ununterbrochen den Kölner Kurfürsten.

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Die Kurwürde im Dreißigjährigen Krieg

Seit 1597 regierte Herzog Maximilian I. Er baute ein schlagkräftiges Heer auf, sanierte das Land finanziell und schaltete die ständischen Mitwirkungsrechte aus. Damit wurde er der eigentliche Begründer der absolutistischen Herrschaft in Bayern. Er schuf eine wirksame Landesverwaltung und eine neue Gesetzessammlung, den Codex Maximilianeus. 1620 besiegten die Truppen der Katholischen Liga unter dem bayerischen Feldherrn Tilly in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag die böhmisch-pfälzischen Protestanten. Als Dank erhielt Maximilian I. 1623 die persönliche und 1628 die erbliche Kurwürde sowie die zunächst verpfändeten kurpfälzischen Teile der Oberpfalz als Kriegsentschädigung.

Im weiteren Kriegsverlauf betrieb der Kurfürst mit wechselndem Erfolg eine eigenständige Politik, teilweise gegen den Kaiser im Bündnis mit Frankreich. 1646 wurde Bayern wieder zum Kriegsschauplatz. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurden die Kurfürstenwürde und die Gebietsgewinne bestätigt. Danach begann Maximilian mit dem Wiederaufbau und entließ die Armee so bald wie möglich. In über 50 Jahren Herrschaft baute er eine effektive Verwaltung auf, entwickelte das Rechtswesen weiter, förderte die Künste und sanierte den zuvor gänzlich überschuldeten Staatshaushalt.

Unter Kurfürst Ferdinand Maria wurde das Bündnis mit Wien durch eine Neutralitätspolitik zwischen Habsburgern und Frankreich abgelöst. Dem Rheinischen Bund blieb Bayern fern. Nach dem Tod König Ferdinands IV. 1654 bot Kardinal Jules Mazarin ihm 1655 die Kandidatur für die Nachfolge an. Ferdinand Maria lehnte am 24. August 1657 endgültig ab und verpflichtete sich am 12. Januar 1658 im Vertrag von Waldmünchen, die Wahl des Habsburgers Leopold zu unterstützen. Im Gegenzug entschieden die Habsburger den Streit mit seinem Vetter Karl Ludwig von der Pfalz um das Amt des Reichsvikars zu seinen Gunsten. Nach dem Tod Kaiser Ferdinands III. 1657 hatte dieser Streit dramatische Formen angenommen, vor allem durch massive Behinderungen des Reichskammergerichts in Speyer.

Im Inneren lag der Schwerpunkt auf der Regeneration des Landes. Im 17. Jahrhundert begann durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges und die wachsende Macht des Landesfürstentums der Niedergang der Landstände. 1669 wurde letztmals der ständische Landtag einberufen. Gleichzeitig zog das italienische Barock in Bayern ein. Bayern verfolgte eine sparsame Wirtschafts- und Finanzpolitik, förderte den Bauernstand und errichtete in Schleißheim die erste bayerische Landwirtschaftsschule. Beim Tod Ferdinand Marias waren die Staatskassen gut gefüllt.

Großmachtspolitik

Ferdinand Marias Sohn Maximilian II. Emanuel strebte nach Rangerhöhung, zunächst als Verbündeter des Wiener Hofs, später im Bündnis mit Ludwig XIV. Seit Herbst 1687 drängte er auf den Oberbefehl im Türkenkrieg; im Juli 1688 gab Kaiser Leopold nach. Max Emanuel gelang die Befreiung Belgrads, ab 1690 deckte er die Rheingrenze gegen Frankreich. Ab 1691 war er als Generalstatthalter der Spanischen Niederlande häufig außer Landes und hielt in Brüssel prächtig Hof, um seinen Erbanspruch auf Spanien zu demonstrieren. Karl II. setzte Max Emanuels Sohn Joseph Ferdinand zum Universalerben des spanischen Weltreichs ein. Dessen früher Tod 1699 bedeutete eine Katastrophe für die Aufstiegspläne.

Das Bündnis mit Frankreich gegen den Kaiser brachte dem bayerischen Kurfürsten die Reichsacht. Deren Exekution führte 1704 zur österreichischen Besetzung Bayerns im Spanischen Erbfolgekrieg und zum vorübergehenden Verlust der Kurwürde und der Oberpfalz an den Pfälzer Wittelsbacher Johann Wilhelm. Zehn Jahre lang übte die Kaiserliche Administration die Regierungsgewalt in Ober- und Niederbayern aus. 1715 konnte Max Emanuel als Kurfürst zurückkehren. Mit der Wittelsbacher Hausunion von 1724 wurde der Streit mit der Linie Kurfürst Karl III. Philipps beigelegt. Das ganze 18. Jahrhundert hindurch kämpfte Bayern mit der von Max Emanuel verursachten Schuldenlast. Der Nachfolger übernahm 26 Mio. Gulden Schulden und vergrößerte sie noch.

Karl Albrecht setzte die Politik seines Vaters fort und vernachlässigte Reformen. 1727 erneuerte er das Bündnis mit Frankreich, 1732/33 protestierte er mit der Kurpfalz und Kursachsen gegen die Anerkennung der pragmatischen Sanktion durch das Reich. Sein Heer von über 40.000 Mann konnte er nach gekürzten französischen Subsidien nicht aufrechterhalten. Im Türkenkrieg der Jahre 1736–1739 wurden die bayerischen Regimenter fast vollständig aufgerieben. Beim Tod Kaiser Karls VI. im Oktober 1740 war Karl Albrecht weder militärisch noch finanziell vorbereitet. Er erlangte 1741 die böhmische und 1742 die Kaiserkrone, um den Preis einer erneuten habsburgischen Besetzung Bayerns im Österreichischen Erbfolgekrieg. Lange lebte Kaiser Karl VII. im Frankfurter Exil. Mit seinem Tod Anfang 1745 in München endete das frühneuzeitliche Kaisertum der Wittelsbacher.

Innere Reformen und Neutralität

1745 verzichtete Kurfürst Maximilian III. Joseph mit dem Frieden von Füssen auf die Großmachtambitionen seiner Vorgänger und widmete sich inneren Reformen. Als aufgeklärter Fürst blieb er einem patrimonialen Staatsverständnis verhaftet und betrachtete den Staat als Privatbesitz. Von großer Bedeutung war die Rechtskodifizierung des Bürgerlichen Rechts und des Strafrechts unter Ratskanzler Wiguläus von Kreittmayr. Die Gründung der Akademie der Bildenden Künste München und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften trug dazu bei, dass die Aufklärung in Bayern an Bedeutung gewann. 1748 schränkte er die Rechte der Städte und Märkte ein. Mit der Landschaftsverordnung lag er im Dauerkonflikt; zweimal versuchte er vergeblich, das Gremium aufzuheben, da er finanziell von den Ständen abhängig war. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben.

Während des Siebenjährigen Krieges stand Kurbayern bewusst abseits. Im Vertrag von Compiègne vom 26. Juli 1756 sicherte sich der Kurfürst von Frankreich jährlich 360.000 fl. Subsidien und den Schutz vor österreichischen Arrondierungswünschen. Nach Kriegsausbruch stellte das Kurfürstentum der Reichsarmee ein 5000-Mann-Kontingent. Gemäß den Münchener Militärkonventionen vom 29. März und 31. Juli 1757 kamen 4000 bzw. 2800 Mann unter französischem Kommando hinzu. 1759 rief Bayern die Reste dieser knapp 7000 Auxiliartruppen zurück. Am 6. Januar 1763 erklärte sich Bayern neutral, weitere Reichsstände folgten. Auf Anregung Max III. Joseph und Karl Theodors von der Pfalz beriet der Reichstag ab 17. Januar; am 11. Februar 1763 erklärte sich das Reich neutral. Am 15. Februar 1763 beendete der Frieden von Hubertusburg den Krieg.

Kurpfalz-Bayern und die Koalitionskriege

Zu Beginn des Jahres 1778 wurde nach dem Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher Kurbayern unter Kurfürst Karl Theodor mit der Kurpfalz vereint, zu der in Personalunion auch die rheinischen Herzogtümer Jülich und Berg gehörten. Im Bayerischen Erbfolgekrieg und mit dem Fürstenbund verhinderte Preußen den Anschluss Bayerns an Österreich. Das Gebiet wurde als Pfalz-Baiern bezeichnet. Eine der Kurwürden erlosch, die Causa palatina; welche, war ein Streitpunkt der Reichspublizistik. Johann Jakob Moser verwies darauf, dass im Kurfürsten-Kollegium ab 1778 nur noch „Pfalz“ aufgerufen wurde. Nach dem Westfälischen Frieden war geregelt, dass die für die Pfalz neu geschaffene achte Kurwürde erlosch. 1784 verbot Karl Theodor alle ohne landesherrliche Erlaubnis gegründeten Vereinigungen, 1785 nannte ein Edikt namentlich Illuminaten und Freimaurer.

Nach dem Tod der Kaiser Joseph II. 1790 und Leopold II. 1792 fungierte Karl Theodor letztmals als Reichsvikar. Ab 1793 erfuhr das Territorium umfassende Gebietsänderungen. 1794 besetzten französische Truppen im Ersten Koalitionskrieg das Herzogtum Jülich, wenig später wurde der linksrheinische Teil der Kurpfalz abgetrennt. Im Frieden von Lunéville 1801 musste der seit 1799 regierende Kurfürst Maximilian IV. Joseph auf seine linksrheinischen Besitzungen verzichten. Als Ausgleich erweiterte Bayern sein Staatsgebiet durch die im Reichsdeputationshauptschluss 1803 verfügte Mediatisierung und Säkularisation, verlor aber 1803 den rechtsrheinischen Teil der Kurpfalz an Baden. Seit 1799 begannen einschneidende Reformen unter dem Minister Maximilian von Montgelas. Am 25. Januar 1802 setzte der Kurfürst eine Klosterkommission ein und leitete die Säkularisation in Bayern ein.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Kurfürstentum BayernVersionsgeschichteBearbeitungsstand 263770302redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Michael Weningentstanden 1701Public domainQuelle