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Kurfürstentum Sachsen

Land des Heiligen Römischen Reiches (1356–1806), durch Erhebung des Herzogtums Sachsen-Wittenberg zum Kurfürstentum entstanden

Ein Land ohne feste Grenzen

in territorial gefestigtes Kursachsen hat es nie gegeben. Ämterkauf und -verkauf, Erbteilung und Erbanfall, Kriegsverluste und -gewinne veränderten das Gebilde fortwährend. Von 1356 bis 1422 bestand das Kurfürstentum lediglich aus dem Raum um Wittenberg. Mit der Übernahme der Kurwürde des meißnischen Markgrafen 1422 reichte es bis ins Vogtland und ins Elbsandsteingebirge. Im Dreißigjährigen Krieg kamen die beiden Lausitzen hinzu, wodurch sich das Landesgebiet erheblich vergrößerte. 1547 gingen nach der Wittenberger Kapitulation in Thüringen größere Teile dauerhaft verloren. Nach den Grenzen von 1550 grenzte Sachsen im Süden und Osten an das habsburgische Königreich Böhmen, an die Markgrafschaften Nieder- und Oberlausitz, im Norden an Brandenburg, im Südwesten an das Fürstentum Bayreuth und das Hochstift Bamberg, im Westen an die Landgrafschaft Hessen und das Fürstentum Anhalt.

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Bevölkerung

Seit dem Hochmittelalter wurde das Land im Rahmen der Ostsiedlung durch Deutschsprachige besiedelt; die sorbischsprachige Vorbevölkerung wurde in den meisten Gebieten sprachlich assimiliert. Um 1600 hatte Kursachsen etwa 750.000 Einwohner und lag damit an dritter Stelle nach den habsburgischen Ländern mit 5,8 Millionen und dem Kurfürstentum Bayern mit einer Million, vor Brandenburg und Württemberg mit je 450.000. Die Verluste des Dreißigjährigen Krieges werden auf etwa 400.000 Personen geschätzt; es dauerte 90 Jahre bis zum Vorkriegsstand. Im Siebenjährigen Krieg von 1755 bis 1763 wurde Sachsen von Preußen besetzt. Zwischen 1620 und dem Toleranzpatent Kaiser Josefs II. 1781 ließen sich schätzungsweise 50.000 bis 80.000 Exulanten aus Böhmen nieder. Bis um 1805 verdoppelte sich die Bevölkerung auf zwei Millionen.

Stände und Gesellschaft

Die Gesellschaft war vormodern, viele mittelalterliche Strukturen hielten sich bis zum Ende des Kurfürstentums. Wichtigste Gliederung war die Aufteilung in Stände. Der Zweite Stand aus Adligen und Staatsbeamten zählte 1805 7600 Menschen, der Erste Stand aus geistlichen Würdenträgern und Lehrern des niederen Klerus 16.706. Beim Dritten Stand belief sich um 1805 die Zahl der Bürger und Stadtbewohner auf 592.000, die der Bauern und Landleute auf 1.342.703. Um 1750 gab es etwa 800 schrift- und amtssässige Rittergüter. Im Norden des Landes glichen sich die Verhältnisse jenen Brandenburgs an, mit mächtiger Grundherrschaft und starkem Lehns- und Fronwesen. Die gesellschaftliche Entwicklung wurde eher direktiv von oben angeschoben. Damit unterschied sich Sachsen von England oder den Niederlanden, wo eine starke Bürgerschicht sich über feudale Standesrechte hinwegsetzen konnte.

Vom Herzogtum zum Kurland

1180 wurde der sächsische Reichsfürst Heinrich der Löwe entmachtet und sein Herzogtum geteilt: Der westliche Teil wurde als Herzogtum Westfalen dem Erzbischof von Köln unterstellt, mit dem östlichen Teil wurden die Askanier belehnt. Bernhard III. wurde der erste sächsische Herzog; eine weiträumige Territorialherrschaft gelang ihm nicht, das Herzogtum bestand vor allem aus dem Titel und einigen Reichslehen. Nach dem Tod Albrechts I. im Jahr 1260 teilten seine Söhne Johann I. und Albrecht II. das Land. Nach dem Erwerb der Burggrafschaft Magdeburg 1269 ist die Aufteilung in Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg nachgewiesen, 1296 wurde die Trennung formal vollzogen. Sachsen-Wittenberg gelang es, die Kurfürstenwürde dauerhaft und allein zu beanspruchen.

Die Goldene Bulle

Bis 1356 war die Kurwürde institutionell nicht geregelt; das Gewohnheitsrecht hatte einen quasirechtlichen Zustand erreicht, der in der Goldenen Bulle verbrieft wurde. Rudolf I. erhielt als Herzog von Sachsen-Wittenberg von Kaiser Karl IV. dauerhaft die Kurwürde zugesprochen, auch die Unteilbarkeit des Territoriums wurde festgelegt. Damit war Sachsen-Wittenberg zu einem der sieben deutschen Kurfürstentümer aufgestiegen. Von der Größe blieb es ein eher unbedeutendes Territorium, die Fläche lag bei etwa 4500 bis 5000 km², größere städtische Zentren gab es nicht. Interessant machte das Gebiet die Lage entlang des mittleren Elbeverlaufs. Die sächsischen Kurfürsten bekleideten zudem das Amt des Erzmarschalls des Heiligen Römischen Reiches. Die Askanier von Sachsen-Lauenburg verloren alle Forderungsrechte an der Kurstimme.

Die Wettiner übernehmen

Im November 1422 starb Albrecht III., Kurfürst und Herzog von Sachsen-Wittenberg, ohne erbberechtigte Nachkommen. Der deutsche König zog das Herzogtum auf Basis der Goldenen Bulle von 1356 als erledigtes Reichslehen ein. Anspruch erhoben die lauenburgischen Askanier unter Herzog Erich V. und die meißnischen Wettiner in Person Friedrichs I., dessen Anspruch sich auf sein Engagement im Kampf gegen die böhmischen Hussiten stützte. 1423 sprach König Sigismund das Erbe den wettinischen Markgrafen von Meißen zu und verlieh ihnen das Kurfürstentum Sachsen. Die Markgrafschaft Meißen ging darin auf. Wer Wittenberg besaß, hatte Kurfürstentitel und Kurstimme inne. Das ehemalige Herzogtum wurde als Kurkreis eingegliedert. Der Name Sachsen wanderte allmählich auf alle an der oberen Elbe gelegenen Gebiete der Wettiner.

Landtag, Teilungen, Aufstieg

Am 6. Januar 1423 wurde Friedrich IV. der Streitbare vorläufig, am 1. August 1425 formell in Budapest belehnt; als Friedrich I. war er nun Herzog und Kurfürst. Um 1430 folgten Einfälle der Hussiten; erst 1436 endeten die Kriegshandlungen überall. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts schufen die Wettiner im Elbkessel Dresden eine neue Residenz. Die Zusammenkunft der Stände 1438 gilt als erster Landtag Sachsens. 1445 erhielt Wilhelm III. in der Altenburger Teilung den thüringischen und fränkischen Teil, Friedrich den Ostteil; der Konflikt eskalierte zum Sächsischen Bruderkrieg, der am 27. Januar 1451 mit dem Frieden zu Pforta endete. 1459 brachte der Egerer Hauptvergleich zwischen Friedrich II. und Georg von Podiebrad eine eindeutige Grenzziehung zu Böhmen.

Die Leipziger Hauptteilung

Die Spannungen zwischen den Brüdern eskalierten seit 1480, als Albrecht die gemeinsame Hofhaltung aufgab und nach Torgau in das Schloss Hartenfels umzog. Am 26. August 1485 vereinbarten beide Wettiner in Leipzig die Teilung ihres Besitzes, die am 11. November 1485 vollzogen wurde. Albrecht durfte als Jüngerer den Landesteil aussuchen, Ernst bestimmte die Teilung. Sie ging als Leipziger Hauptteilung in die Geschichte ein. Die Mehrzahl der Territorien wurde nun getrennt regiert. Die ursprünglich nicht auf Dauer angelegte Teilung schwächte die zuvor sehr mächtige Stellung des Kurfürstentums im Heiligen Römischen Reich erheblich. Die Ereignisse des Bauernkrieges von 1525 streiften sächsische Territorien nur am Rande im Vogtland und im Erzgebirge; der Druck auf die Bauernschaft war niedriger als im Südwesten des Reiches.

Moritz und die Kurwürde

In der Schlacht bei Mühlberg im Schmalkaldischen Krieg besiegte der albertinische Herzog Moritz von Sachsen als Verbündeter Kaiser Karls V. seinen Vetter, den ernestinischen Kurfürsten Johann-Friedrich. Am 19. Mai 1547 folgte die Wittenberger Kapitulation, am 4. Juni 1547 die Belehnung Moritz' mit der Kurwürde, am 24. Februar 1548 auf dem Augsburger Reichstag die feierliche Belehnung mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Die ernestinische Linie verlor die Hälfte ihres Besitzes. Sachsen wurde erneut nach den habsburgischen Ländern zum zweitwichtigsten deutschen Land im Reich und zur bedeutendsten Schutzmacht des evangelischen Glaubens. Moritz starb am 9. Juli 1553 mit 32 Jahren an einer Kriegsverletzung. Kurfürst August vollzog ab 1566 die Reichsacht gegen Wilhelm von Grumbach und Herzog Johann Friedrich den Mittleren; Gotha kapitulierte am 13. April 1567.

Dreißigjähriger Krieg

Kurfürst Johann Georg I. stellte sich 1618 auf die Seite des Kaisers und setzte damit die Politik fort, den im Augsburger Religionsfrieden erreichten Status quo zu wahren. Mit Ferdinand II. wurde vereinbart, dass Sachsen Ober- und Niederlausitz für den Kaiser zurückerobern sollte; im September 1620 marschierten sächsische Truppen ein. Weil der Kaiser die Kriegskosten nicht erstattete, musste er die Lausitzen 1623 als Pfand überlassen. 1631 trat Johann Georg I. auf Seiten der Schweden in den Krieg gegen den Kaiser ein. Bei Leipzig fanden 1631 die Schlacht bei Breitenfeld und 1632 die Schlacht bei Lützen statt. 1635 schloss Sachsen den Prager Frieden und erhielt die Lausitzen endgültig, womit das Landesgebiet um etwa 13.000 km² wuchs.

Preußen und der Verlust der Stellung

Schlesien war von 1740 bis 1763 das bedeutendste europäische Konfliktfeld. Der Kampf um Schlesien zerstörte alle sächsischen Großmachtambitionen und führte Preußen in die Erste Liga der europäischen Großmächte. In den Schlesischen Kriegen gelang es Preußen, Sachsen auszuschalten und als protestantische Führungsmacht im Reich abzulösen. Am 15. Dezember 1745 erlitt Sachsen in der Schlacht bei Kesselsdorf die entscheidende Niederlage; Friedrich II. zog erstmals in Dresden ein, Sachsen musste eine Million Reichstaler Kriegsentschädigung zahlen. 1756 überschritt die preußische Armee mit etwa 70.000 Mann die Grenze, am 16. Oktober 1756 ging die sächsische Armee bei Pirna in Kriegsgefangenschaft. Preußen okkupierte Sachsen und stellte es unter Militäradministration. Während des Krieges starben 90.000 Sachsen.

Rétablissement

Nach dem Hubertusburger Frieden 1763 stand das Kurfürstentum kurz vor dem Staatsbankrott; die Staatsschulden hatten 49 Millionen Taler erreicht, etwa das Zehnfache der Staatseinnahmen dieses Jahres. Thomas von Fritsch stellte mit seiner Restaurationskommission den Abbau der Schulden in den Mittelpunkt des Wiederaufbauprogramms Rétablissement. Sachsen erreichte 1774 wieder einen Haushaltsüberschuss und ein mindestens zwanzig Jahre anhaltendes Wirtschaftswachstum. Der Militäretat wurde eingeschränkt, 1765 die Bergakademie Freiberg gegründet, erhebliche Investitionen flossen in Straßen- und Brückenbau. 1805 hatte das Kurfürstentum eine Größe von 716 Quadratmeilen, etwa 39.425 Quadratkilometer. 1806 war es mit Preußen verbündet; nach der Niederlage schloss Sachsen am 11. Dezember 1806 den Frieden von Posen, trat dem Rheinbund bei, und Friedrich August III. erhielt den Königstitel.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Kurfürstentum SachsenVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269102672redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Georg Christoph Kilianentstanden 1759Public domainQuelle