Kurköln
weltlicher Herrschaftsbereich des Erzbischofs von Köln im Heiligen Römischen Reich
ie Wurzeln der weltlichen Macht liegen im ottonisch-salischen Reichskirchensystem. Nach Aufständen mehrerer Herzöge übertrug Otto der Große 953 seinem Bruder Brun Stadt und Erzbistum Köln zusammen mit dem Herzogtum Lothringen. Ein etwa 25 Kilometer tiefer Streifen am linken Rheinufer zwischen Rolandseck und Rheinberg blieb den Nachfolgern Bruns als weltlicher Besitz mit eigener Landeshoheit. Gestützt auf ihre Rolle als Stützen von Reich und Reichskirche konnten sie sich gegenüber anderen Machthabern behaupten.
Nach dem Tod Heinrichs III. und in der Unsicherheit des Investiturstreits bauten die Erzbischöfe gezielt weltliche Herrschaft aus. Unter Anno II. wurden die Grundlagen des späteren Kurstaates gelegt, unter anderem durch die Beschneidung der Pfalzgrafschaft Lothringen. Das Gebiet wuchs durch Erwerbungen wie Andernach, Deutz und Godesberg. 1151 erhielten die Erzbischöfe die ripuarische Herzogswürde, 1180 verlieh Friedrich I. Barbarossa mit der Gelnhäuser Urkunde das Herzogtum Westfalen und Engern. Unter Konrad von Hochstaden erreichte Kurköln seine größte Machtfülle, gestützt auf sein Bündnis mit dem Papst gegen Kaiser Friedrich II.
Unter Hermann V. von Wied kam es in den 1540er Jahren zum Versuch, die Reformation einzuführen, der auf Widerstand des Domkapitels und der Universität traf, aber auch Unterstützung fand. Die Niederlage der protestantischen Fürsten im Schmalkaldischen Krieg führte zum Scheitern und zu Hermanns Amtsverzicht. Unter Gebhard I. von Waldburg gab es in den 1580er Jahren einen weiteren Versuch, das Erzstift in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln; er wurde im Kölnischen Krieg besiegt und Ernst von Bayern zum Erzbischof gewählt, worauf gegenreformatorische Maßnahmen einsetzten.
Im Frieden von Lunéville wurden 1801 alle linksrheinischen Gebiete an das napoleonische Frankreich abgetreten. Die rechtsrheinischen Territorien Kurkölns wurden als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 säkularisiert und aufgeteilt, Westfalen war bereits 1802 von Hessen-Darmstadt besetzt worden. Damit endete die Geschichte Kurkölns drei Jahre vor dem Ende des Alten Reichs 1806. Der Wiener Kongress schlug 1815 das gesamte Territorium dem Königreich Preußen zu, seit 1946 teilen sich Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die einstigen Gebiete.