Landgrafschaft Hessen
Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches mit dem historischen Kerngebiet im Norden und in der Mitte des heutigen Landes Hessen
ach dem Aussterben der Ludowinger erstritt Sophie, Herzogin von Brabant, im thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg von 1247 bis 1264 den hessischen Besitz für ihren Sohn Heinrich I. von Hessen, genannt Heinrich das Kind. Heinrich wurde 1247 auf der Mader Heide zum Landgrafen ausgerufen. Am 12. Mai 1292 trug er die Stadt Eschwege dem König Adolf zu Lehen auf und erhielt sie mit der Burg Boyneburg als erbliches Reichslehen zurück. Damit wurden die hessischen Landgrafen Reichsfürsten. Heinrich verlegte seine Residenz 1277 von Marburg und Gudensberg nach Kassel und begründete das Hessische Fürstenhaus. Unter Landgraf Philipp I. wurde die Landgrafschaft Hessen 1526 infolge der Homberger Synode protestantisch. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den mächtigen Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich.
Die hessischen Landgrafen teilten ihr Gebiet wiederholt innerhalb der Familie, ohne dass diese Teilungen dauerhaften Bestand hatten. Die erste Teilung erfolgte nach dem Tod des ersten Landgrafen 1308, als Heinrichs Söhne Otto I. und Johann Landgrafen im Land an der Lahn beziehungsweise in Niederhessen wurden. Da Johann schon 1311 starb, wurden beide Landesteile wieder unter Otto vereint. Von 1458 bis 1500 war die Landgrafschaft erneut geteilt, mit Ludwig II. und seinem Sohn Wilhelm II. in Niederhessen und Heinrich III. und dessen Sohn Wilhelm III., der 1500 starb, in Oberhessen. Erst die Erbteilung durch Landgraf Philipp den Großmütigen, der 1567 die Landgrafschaft unter seine vier ehelichen Söhne aufteilte, verursachte die beinahe vierhundert Jahre anhaltende Trennung in die Landgrafschaft Hessen-Kassel, deren Regent 1803 zum Kurfürsten erhoben wurde, und die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen. Die dabei geschaffenen Landgrafschaften Hessen-Marburg und Hessen-Rheinfels fielen bald durch Aussterben der regierenden Häuser an Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Der bis zur Teilung von 1567 starke Einfluss Hessens auf die Reichspolitik nahm danach deutlich ab.
Durch den Anfall der Grafschaft Ziegenhain im Jahre 1450 wurde die Verbindung der beiden großen Landesteile Ober- und Niederhessen erreicht, die bis dahin voneinander getrennt waren. Mit dem Erbe der Grafschaft Katzenelnbogen 1479 erreichte das Territorium der Landgrafschaft den Mittelrhein mit der linksrheinischen Stadt St. Goar und der oberhalb liegenden Burg Rheinfels sowie ferner das heutige Südhessen um Darmstadt.