Landgrafschaft Hessen-Darmstadt
Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
ach dem Tod Philipp I. am 31. März 1567 wurde die Landgrafschaft Hessen unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Georg I. erhielt den südlichen Landesteil, der als Hessen-Darmstadt bezeichnet wurde. Ein gemeinsames Rechtsprojekt der vier Landgrafen scheiterte, weshalb Georg I. 1589 auf eine Rechtssammlung seines Kanzlers Johann Kleinschmidt zurückgriff. Nach dem Aussterben der Grafen von Diez teilten die hessischen Landgrafen deren Erbe, Hessen-Darmstadt erhielt Dorf und Schloss Alsbach sowie ein Viertel des Amtes Umstadt. Da die Landgrafen Philipp von Hessen-Rheinfels und Ludwig von Hessen-Marburg 1583 und 1604 kinderlos starben, fielen deren Gebiete an Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Von Hessen-Rheinfels erbte Hessen-Darmstadt die Ämter Schotten und Stornfels, die Hessen-Marburger Erbschaft führte zu einem langen Streit zwischen den verbliebenen Linien.
Zum Erbfolgestreit um Hessen-Marburg trat der konfessionelle Gegensatz: Hessen-Darmstadt blieb lutherisch, Hessen-Kassel wandte sich den Reformierten zu. 1622 wurde die Landgrafschaft Hessen-Homburg aus Hessen-Darmstadt ausgegliedert. Im Dreißigjährigen Krieg kämpften beide Landgrafschaften auf unterschiedlichen Seiten, Hessen-Darmstadt auf der kaiserlichen. Der Vergleich vom 24. September 1627 brachte Hessen-Darmstadt große Gebietsgewinne, was zu weiteren militärischen Auseinandersetzungen führte, dem Hessenkrieg. Erst ein Vertrag vom 14. April 1648, bestätigt durch den Westfälischen Frieden, beendete den Streit und nahm Hessen-Darmstadt einen Teil der 1627 erzielten Gewinne wieder. Oberhessen wurde dauerhaft geteilt, Marburg und die Niedergrafschaft Katzenelnbogen fielen an Kassel, das Übrige verblieb bei Hessen-Darmstadt.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gewann Hessen-Darmstadt erhebliche Gebiete hinzu, die die Verluste auf der linken Rheinseite an Frankreich weit überwogen, darunter das Herzogtum Westfalen, mehrere kurmainzische und kurpfälzische Ämter, das Hochstift Worms rechts des Rheins und die Reichsstadt Friedberg. Da sowohl Hessen-Darmstadt als auch die Markgrafschaft Baden dabei Gebietsteile erhalten hatten, die günstiger zu den Stammlanden des anderen lagen, schlossen beide am 14. März 1803 einen Tauschvertrag. Danach übergab Baden unter anderem den vormals speyerischen Anteil am Amt Neckarsteinach und die ehemalige Reichsstadt Wimpfen an Hessen-Darmstadt, während Hessen-Darmstadt im Gegenzug Gebiete wie Eschelbach und Aglasterhausen an Baden abtrat.
Eine 1805 von Landgräfin Luise Henriette Karoline von Hessen-Darmstadt angezettelte Intrige gegen den frankreichfreundlichen Staatsminister Carl Ludwig von Barckhaus gen. von Wiesenhütten führte die Politik der Landgrafschaft in einen Neutralitätsversuch, der sie an den Rand des Untergangs brachte. Erst das erneute Umschwenken des Landgrafen auf die französische Seite 1806 verhinderte dies, führte aber zu geringeren Gebietsgewinnen im Vergleich zu Württemberg und Baden. Am 1. August 1806 trat die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zusammen mit anderen Territorien aus dem Heiligen Römischen Reich aus, worauf der Kaiser am 6. August 1806 die Krone niederlegte. Das Reich hatte sich aufgelöst. Am 14. August 1806 erfolgte die Erhebung der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zum Großherzogtum Hessen.