Lucca
Hauptstadt der Provinz Lucca in der Toskana, Italien
Herrschaft und Wechsel im Mittelalter
nter den Langobarden war Lucca Residenz eines Herzogs mit eigenem Münzprivileg. 1160 erhielt die Stadt vom bayerischen Herzog und toskanischen Markgrafen Welf VI. gegen einen jährlichen Tribut die Herrschaft über ein umliegendes Territorium. Im 14. Jahrhundert wechselte Lucca mehrfach den Herrn: Truppen Ludwigs des Bayern besetzten die Stadt, später der böhmische König Johann, dann folgten Verpfändungen und Verkäufe an verschiedene Mächte. Kaiser Karl IV. erklärte die Stadt schließlich nominell für befreit und ließ sie durch seine Vikare regieren. Trotz dieser Wirren behauptete Lucca ab 1369 seine Unabhängigkeit als Stadtrepublik und schrieb bis zur Französischen Revolution das Wort Libertas auf seine Fahnen.
Glaubensstreit und das Ende der Republik
Ab den 1520er Jahren gelangten reformatorische Schriften über Händler nach Lucca. Mönche predigten aus den Paulusbriefen und vertraten evangelische Positionen, und 1542 zählten die Evangelischen bereits über 200 einflussreiche Anhänger in der Stadt. Nach dem Tod ihres Schutzherrn Kardinal Contarini begann die Verfolgung der Abweichler durch die Inquisition, und zwischen 1555 und 1590 emigrierten zahlreiche Familien aus Glaubensgründen, vor allem nach Genf. Am Ende des Jahrhunderts wurde die Republik durch die französischen Revolutionsarmeen 1799/1800 in eine von Frankreich abhängige Demokratie umgewandelt. 1805 hob Napoleon die Republik auf und machte sie zum Fürstentum für seine Schwester Elisa. Nach seinem Sturz wurde Lucca besetzt und auf dem Wiener Kongress 1814/15 zur Verschiebemasse dynastischer Interessen zwischen Österreich und den parmesischen Bourbonen.
Textilindustrie und Flucht nach Venedig
Lucca war einst ein Zentrum der Luxusstoffindustrie und berühmt für seine Seide, deren Farbenpracht in Europa als unübertroffen galt. Politische Unruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts veranlassten viele Färber und Seidenweber, nach Venedig zu fliehen, wo ihnen Asyl und finanzielle Hilfe angeboten wurden, sofern sie ihr Gewerbe dort ausübten. Obwohl die Luccheser Zunftgesetze für die Ausübung des Handwerks außerhalb der Stadtmauern die Todesstrafe vorsahen, nahmen viele Handwerker angesichts ihrer finanziellen Lage die venezianischen Bedingungen an.