Ludwig XVI.
König von Frankreich und Navarra von 1774 bis 1791, dann König der Franzosen von 1791 bis 1792
ls sein Großvater Ludwig XV. am 10. Mai 1774 starb, wurde Ludwig XVI. mit 19 Jahren König. Die Krönung fand am 11. Juni 1775 in Reims statt. Hauptproblem war die hohe Staatsverschuldung, und Ludwig zeigte sich als gutwilliger, aber schwacher und unentschlossener Herrscher. Reformen von Turgot und Malesherbes scheiterten am Widerstand des Adels. Außenpolitisch stärkte Ludwig die französische Marine, sodass Frankreich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen England bestehen konnte; 1777 wurde die Unabhängigkeit der USA anerkannt, 1783 vermittelte Frankreich den Frieden von Paris. Doch der Krieg belastete die Staatsfinanzen schwer. Gegenüber seinem Bündnispartner Österreich zeigte Ludwig wenig Unterstützungsbereitschaft, etwa als Friedrich II. 1778 in Böhmen einmarschierte. Die Halsbandaffäre 1785 schadete zusätzlich dem Ansehen der Königin.
Um einen Staatsbankrott abzuwenden, berief Ludwig 1786 eine Notabelnversammlung ein, deren Beratungen scheiterten. 1789 berief er die seit 1614 nicht mehr zusammengetretenen Generalstände ein. Am 17. Juni erklärten sich die Abgeordneten des Dritten Standes zur Nationalversammlung, am 20. Juni folgte der Ballhausschwur. In der Séance royale vom 23. Juni 1789 machte Ludwig Zugeständnisse, drohte aber gleichzeitig mit gewaltsamer Auflösung der Versammlung, falls der Dritte Stand auf einer Abstimmung nach Köpfen beharre. Graf Mirabeau widersprach dem königlichen Anspruch deutlich. Necker trat zurück, kehrte aber auf Bitten des Königs zurück. Gleichzeitig ließ Ludwig Truppen um Paris zusammenziehen und ernannte am 30. Juni Victor-François de Broglie zum Generalmarschall.
Am 4. Februar 1790 nahm Ludwig vor der Nationalversammlung die Verfassung an. Die Zivilverfassung des Klerus vom 12. Juli 1790 schwächte seine Autorität und die der Bischöfe und des Papstes erheblich. Am 20. Juni 1791 unternahm er die Flucht nach Varennes, verkleidet als Kammerdiener und unterstützt von Hans Axel von Fersen. In einer zurückgelassenen Proklamation widerrief er alle Zugeständnisse seit Oktober 1789 und warf der Nationalversammlung vor, aus der Monarchie ein leeres Trugbild gemacht zu haben. Über die eigentlichen Ziele der Flucht, ob nach Österreich oder in die lothringische Festung Montmédy, herrscht bis heute keine Einigkeit.
Der Gesetzgebungsausschuss des Konvents bejahte am 7. November 1792, dass Ludwig als Bürger vor dem Konvent angeklagt werden könne. Der Prozess begann am 11. Dezember 1792. Robespierre und Saint-Just betonten, es handele sich um eine politische, nicht rechtliche Frage, und forderten die Hinrichtung. Die Girondisten verlangten eine Volksbefragung, scheiterten aber mit 426 zu 278 Stimmen. Am 17. Januar 1793 stimmte eine knappe Mehrheit von 366 Abgeordneten für die Todesstrafe.