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Majestätsbrief

Schriftstück

m Königreich Böhmen erschwerten zwei religiöse Gruppen hussitischen Ursprungs, die böhmische Bruderschaft und die Utraquisten, sowie die lutherischen Stände eine friedliche Ordnung. Sie hatten die Confessio Bohemica unterzeichnet, deren Anerkennung Maximilian II. 1575 versprochen hatte, und legten sie 1608 Rudolf erneut vor. Die Stände nutzten die schwierige politische Lage des gegenreformatorisch gesinnten Kaisers, der im Streit mit seinen Brüdern stand. Mähren und Ungarn waren bereits zu Erzherzog Matthias übergegangen. Der Einmarsch Matthias' in Böhmen zwang Rudolf zum Nachgeben, wobei er darauf bestand, statt „evangelisch“ den Begriff „utraquistisch“ zu verwenden. Der größte Teil der Stände Böhmens und Schlesiens gab sich mit dem Majestätsbrief zufrieden, anders als in Mähren und Ungarn.

Die Majestätsbriefe erlaubten freie Religionsausübung, eine protestantische Kirchenorganisation und evangelischen Kirchenbau auch auf königlichen Kammergütern. Diese letzte Bestimmung führte zu schweren Konflikten zwischen Katholiken und Protestanten, da umstritten war, ob auch Besitzungen katholischer Stifte als Kammergüter galten. Die Zerstörung einer evangelischen Kirche in Klostergrab, deren Bau die Katholiken als illegal ansahen, löste 1618 den Zweiten Prager Fenstersturz aus. Als die Oberlausitzer Stände vom Erfolg der böhmischen und schlesischen Protestanten erfuhren, wollten sie ebenfalls einen Majestätsbrief. Ihre 1610/1611 nach Prag geschickten Gesandten wurden von Rudolf II. abgewiesen. Die Oberlausitzer mussten sich mit einer 1612 von Kaiser Matthias ausgefertigten Religionsassekuration begnügen, die nur den bestehenden Zustand bestätigte.

Nach der für die Kaiserlichen siegreichen Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 zerschnitt Kaiser Ferdinand II. den Majestätsbrief persönlich in zwei Teile. Die einzig existierende beglaubigte Abschrift des zerschnittenen Originals, das im Nationalarchiv Prag liegt, wird heute in der Christian-Weise-Bibliothek in Zittau aufbewahrt.

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Grundlage: Wikipedia-Artikel MajestätsbriefVersionsgeschichteBearbeitungsstand 266130226redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Autor/-in unbekanntentstanden 1609Public domainQuelle