Mathilde von Canossa
Markgräfin auf der Burg Canossa
ie Canusiner gingen auf Siegfried zurück, der im ersten Drittel des 10. Jahrhunderts aus der Grafschaft Lucca stammte. Sein Sohn Adalbert-Atto baute die Burg Canossa aus und gewährte 950 der verwitweten Königin Adelheid Zuflucht, als Berengar von Ivrea nach der Macht in Italien griff. Otto I. griff daraufhin ein und heiratete Adelheid 951, wodurch sich die Canusiner eng an die Ottonen banden. Adalbert-Atto erhielt dafür die Grafschaften Reggio und Modena, spätestens 977 auch Mantua. Sein Sohn Tedald, Mathildes Großvater, führte die Bindung an die Ottonen fort und wurde 996 als Herzog und Markgraf bezeichnet, ein Titel, den alle folgenden Canusiner übernahmen. Unter Mathildes Vater Bonifaz erreichte der Aufstieg der Familie einen Höhepunkt.
Beim Herrschaftsantritt Mathildes übernahm sie das Erbe entgegen dem in Italien geltenden salischen und langobardischen Recht, nach dem Heinrich IV. der rechtmäßige Erbe gewesen wäre. Der Tod ihrer Mutter fiel in die Zeit der Eskalation zwischen Heinrich IV. und Gregor VII., zu dessen engsten Vertrauten Mathilde und ihre Mutter gehörten. Auf dem Hoftag zu Worms am 24. Januar 1076 kündigten Heinrich, die Erzbischöfe Siegfried von Mainz und Udo von Trier sowie 24 weitere Bischöfe Gregor VII. den Gehorsam auf und erhoben schwere Vorwürfe, wobei Mathilde aus Verachtung nicht einmal namentlich genannt wurde. Gregor reagierte am 15. Februar 1076 mit der Exkommunikation Heinrichs. Diese Maßnahme erschütterte die Zeitgenossen zutiefst, wie ein Zeugnis des Gregorianers Bonizo von Sutri belegt.
Über die Kaiserin Gisela war Mathilde Cousine zweiten Grades Heinrichs IV. und daher als Vermittlerin geeignet. Nachdem die Fürsten Heinrich zur Lösung vom Bann binnen Jahresfrist aufgefordert hatten, überquerte er im Winter die Alpen und erschien am 25. Januar 1077 vor der Burg Canossa, während er in der Burg Bianello Quartier bezog. Da Mathildes Burgen Schauplatz der Aussöhnung wurden, musste sie eng in die Verhandlungen eingebunden gewesen sein. Der König verbrachte drei Tage im Büßergewand im Vorhof der Burg, ehe Gregor ihn vom Bann löste. Für Mathilde bedeuteten die Tage von Canossa große organisatorische Herausforderungen, da alle Anreisenden versorgt werden mussten. Heinrich und Mathilde begegneten sich danach nie wieder persönlich.