Matthäus Paris
Heraldiker, Chronist, Kartograph und Benediktinermönch
atthäus trat 1217 ins Kloster St Albans ein. Dort widmete er sich der Geschichtsschreibung, für die das Kloster berühmt war. Er überarbeitete zunächst die Chronik von John de Cella und die seines Lehrers Roger von Wendover, die den Grundstock seines Hauptwerks Chronica maiora bildeten. Ab 1235 setzte er die Chronik selbst fort bis zu seinem Tod 1259. Seine Informationen stammten aus Gesprächen mit Zeugen und Akteuren sowie aus Briefen, die er teils in sein Werk einfügte. Er pflegte engen Kontakt zu König Heinrich III. und dessen Bruder Richard von Cornwall. 1257 verbrachte der König eine Woche in St Albans und beobachtete die Arbeit des Chronisten. Dennoch erscheint Heinrichs Politik im Werk in ungünstigem Licht, obwohl Matthäus dem König persönlich Sympathie entgegenbrachte.
Matthäus war vor allem ein eindrucksvoller Erzähler mit Interesse an den menschlichen Seiten der Politik. Seine Einschätzung von Zeitgenossen beruhte jedoch eher auf eigenen Vorurteilen als auf deren tatsächlichen Zielen. Charakterstärke würdigte er auch dort, wo er die politischen Ziele einer Person missbilligte. Höflinge und ausländische Günstlinge des Königs verabscheute er, ebenso verurteilte er scharf die päpstliche Einflussnahme auf die englische Politik. Seine Datierungen waren ungenau, manche Ereignisse erwähnte er doppelt, und er verfälschte gelegentlich Dokumente wie den Text der Magna Carta. Auch erfundene Reden finden sich in seinem Werk. Seine Angaben müssen daher stets mit anderen Quellen abgeglichen werden. Sein Verdienst liegt darin, ein lebendigeres Bild seiner Zeit zu vermitteln als jeder andere englische Chronist. Er illustrierte seine Manuskripte selbst, die mehr als 100 Wappenschilde enthalten und als früheste englische Quelle der Heraldik gelten.
In seinen Schriften propagierte Matthäus Ritualmordlegenden und andere antisemitische Thesen. Er stellte einen polemischen Bezug zwischen der Knabenbeschneidung und angeblicher jüdischer Münzverfälschung her und verbreitete eine Vorläuferthese der jüdischen Weltverschwörung, wonach Juden hinter dem Mongolensturm stünden. Die Legende von Cartaphilus, eine frühe Form der Legende vom Ewigen Juden, übernahm er mit geringfügigen Änderungen von Roger von Wendover. Im Text wird Cartaphilus als Türhüter im Dienste des Pontius Pilatus bezeichnet, nicht als Jude, doch stellte Matthäus ihn in einer Illustration als Juden dar.