Matthias (HRR)
Habsburgischer Kaiser des Heiligen Römischen Reichs
atthias beobachtete mit seinen Verwandten die zunehmenden psychischen Probleme Kaiser Rudolfs II. und drängte ihn ab 1599 vergeblich, die Nachfolge zu regeln. 1606 erklärten die Erzherzöge Rudolf für geisteskrank und setzten Matthias als Familienoberhaupt ein. Noch im selben Jahr schloss Matthias den Frieden von Zsitvatorok mit den Osmanen und beendete den Konflikt in Ungarn. 1608 verband er sich in Preßburg mit aufständischen Ständen und marschierte auf Prag, schloss dann aber den Vertrag von Lieben, der die Macht aufteilte: Rudolf behielt Böhmen, Schlesien und die Lausitz, Matthias erhielt Ungarn, Österreich und Mähren. Ein Huldigungsstreit mit den Ständen führte zur Bildung des Horner Bundes. Als 1611 unbezahlte Truppen Rudolfs in Böhmen einmarschierten, traten die böhmischen Stände zu Matthias über, und Rudolf verlor bis zu seinem Tod 1612 den Rest seiner Macht.
Am 23. Mai 1611 wurde Matthias zum König von Böhmen gekrönt, nach Rudolfs Tod am 20. Januar 1612 auch zum Kaiser gewählt. Am 4. Dezember 1611 hatte er seine Cousine Anna von Tirol geheiratet, die Ehe blieb kinderlos. Der Hof wurde seit 1612 allmählich von Prag nach Wien verlegt. Seine Frau stiftete das Kapuzinerkloster mit der Kapuzinergruft als künftige Begräbnisstätte des Hauses Habsburg.
Als Kaiser erwies sich Matthias als wenig aktiv, geschwächt durch Gicht; im Wesentlichen bestimmte Khlesl die Politik und setzte auf eine ausgleichende Kompositionspolitik zwischen Katholiken und Protestanten. Da Matthias keine legitimen Erben hatte, drängten ihn die Erzherzöge, Spanien und der Papst seit 1612 zur Nachfolgeregelung. 1617 kam es im Oñate-Vertrag zu einer Einigung mit Spanien, woraufhin Matthias Erzherzog Ferdinand als König von Böhmen vorschlug; dieser wurde noch im selben Jahr gewählt, betrieb aber die Gegenreformation. In Böhmen brach daraufhin der Ständeaufstand aus, der im zweiten Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 seinen Ausdruck fand. Erzherzog Maximilian und König Ferdinand erzwangen die Festnahme und Absetzung Khlesls, woraufhin Matthias bis zu seinem Tod kaum noch eine Rolle spielte.