Maximilian II. Emanuel (Bayern)
Kurfürst von Bayern, Generalstatthalter der Niederlande
ax Emanuel änderte den außenpolitischen Kurs seines Vaters, der Bayern aus den Konflikten der Großmächte herausgehalten hatte, und griff offensiv in die europäische Politik ein. Sein Staatsschatz machte ihn für Kaiser Leopold I. und Ludwig XIV. interessant. Die Reunionspolitik Ludwigs XIV. führte zur Annäherung an den Kaiser, 1683 wurde ein Verteidigungsabkommen geschlossen. Als die Türken Wien belagerten, half der Kurfürst mit etwa 11.000 Soldaten, und Wien wurde am 12. September befreit. Auch danach kämpfte er im Türkenkrieg weiter, etwa bei Gran und Ofen. 1685 heiratete er Maria Antonia, Tochter Leopolds I., wodurch er im Namen seiner Frau das spanische Erbe beanspruchen konnte. Durch Tapferkeit erwarb er sich den Ruf eines herausragenden Feldherrn.
Als 1701 der Bourbone Philipp V. zum Alleinerben Spaniens ernannt wurde, kam es zum Spanischen Erbfolgekrieg. Max Emanuel wechselte auf die französische Seite, erlaubte französischen Truppen die Besetzung spanischer Festungen in den Niederlanden und kehrte nach Bayern zurück. 1702 ließ er Ulm besetzen, um die Verbindung mit Frankreich zu sichern. Im September 1703 gewann er die Erste Schlacht bei Höchstädt, nahm danach Augsburg und Passau ein. Im Juli 1704 verloren seine Generale die Schlacht am Schellenberg, Donauwörth wurde eingenommen und die Donaulinie durchbrochen. Am 13. August 1704 standen sich in der Zweiten Schlacht von Höchstädt über 100.000 Soldaten gegenüber, rund 25.000 starben oder wurden verwundet. Frankreich und Bayern verloren, der Kurfürst floh in die Niederlande, Bayern wurde von den Kaiserlichen besetzt.
1706 wurde über Max Emanuel und seinen Bruder Joseph Clemens die Reichsacht verhängt. Dennoch zog er im Oktober 1706 mit seiner Hofmusik feierlich in Mons ein, um dort zu residieren. Nach der Besetzung des größten Teils der spanischen Niederlande 1709 ging er nach Frankreich. 1711 trat ihm sein Neffe Philipp V. die vormals spanischen Niederlande mit mehreren Titeln ab, was angesichts der alliierten Besetzung nur eine Geste war. Eine Wende kam 1711 nach dem Tod Kaiser Josephs I., als der habsburgische Thronbewerber als Karl VI. Kaiser wurde. Die Franzosen setzten im Rastatter Frieden und im Frieden von Baden 1714 Max Emanuels Wiedereinsetzung als Kurfürst durch. Bis zu seiner Rückkehr am 10. April 1715 leitete sein Obersthofmeister die Geschicke des Kurfürstentums.
Trotz seines Bündnisses mit Frankreich bemühte sich der Kurfürst um eine Verständigung mit Kaiser Karl VI. und stellte 1717 bayerische Truppen für den Türkenkrieg zur Verfügung. Damit verband er die Absicht, von künftigen Erbfolgestreitigkeiten in Österreich zu profitieren. Diesem Ziel diente auch die Heirat des Kurprinzen Karl Albrecht mit Maria Amalia von Österreich, wobei die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion und der Erbverzicht der Erzherzogin für ihn nebensächlich waren. Den Einfluss der Wittelsbacher stärkte er, indem sein Sohn Clemens August mehrere Bischofssitze einnahm, darunter das Erzbistum Köln. Mit der Wittelsbacher Hausunion von 1724 wurde der Streit mit der Kurpfalz unter Karl III. Philipp beigelegt und die Vikariatsfrage geregelt. Dennoch blieb das Land trotz aller Bemühungen von hohen Schulden belastet.