Merseburg
Stadt in Sachsen-Anhalt
ie erste schriftliche Erwähnung Merseburgs erfolgte in den Jahren 881/899 im Hersfelder Zehntverzeichnis als mersiburc civitas. Bereits im 9. Jahrhundert bestand eine jüdische Gemeinde. Nach 919 baute König Heinrich I. den Ort zu einer Pfalz aus, nachdem er die Tochter des Merseburger Grafen Erwin geheiratet hatte, wodurch Merseburg in die Herrschaft des sächsischen Herrscherhauses gelangte. Er verstärkte die Befestigungsanlagen auf dem Burgberg und ließ nach seinem Sieg gegen die Ungarn bei Riade den Speisesaal mit Fresken ausschmücken. Zur Verstärkung siedelte er in der Vorburg die sogenannte „Merseburger Schar“ aus verschonten Dieben und Räubern an. Im Jahr 955 gelobte König Otto I. nach seinem Sieg über die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld, ein Bistum zu gründen.
Im Laufe der Reformationszeit und der beginnenden Bauernkriege verfassten Merseburger Bürger und Bauern die 16 Merseburger Artikel gegen ständig neue Dienste und Abgaben. Am 3. Mai 1525 musste Bischof Adolf infolge von Unruhen nach Leipzig fliehen, und am 8. Mai versuchten die Aufständischen, die Domfreiheit zu stürmen. Nach Gerichtsverhandlungen im Juni wurden am 10. Juni 1525 vier Bürger und vier Bauern auf dem Merseburger Markt enthauptet. Am 1. Juli 1543 hielt Laurentius Reynhard die erste evangelische Predigt in der Stadtkirche St. Maximi, und die Reformation begann sich durchzusetzen.
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Merseburg bis 1945 Hauptstadt des preußischen Regierungsbezirkes Merseburg und des Kreises Merseburg in der Provinz Sachsen. Der Provinzialständetag, das Parlament der Provinz Sachsen, tagte 1825 erstmals im Merseburger Schlossgartensalon. 1841 wurden in der Merseburger Domstiftsbibliothek die Merseburger Zaubersprüche entdeckt, die bis heute als kulturhistorisch bedeutende Zeugnisse der Stadt gelten.