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Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis

eine administrative Einheit im heiligen römischen Reich deutscher Nation

er Kreis umfasste die Herrschaftsgebiete zwischen der Weser und der späteren Grenze zu den Niederlanden bis an die Maas und südlich bis an Ahr und Sieg. Rechts der Weser lagen nur das Hochstift Verden und die Grafschaft Schaumburg. Innerhalb der Grenzen des Kreises lagen aber auch Gebiete, die zum Kurrheinischen Kreis gehörten, insbesondere Kurköln mit den zugehörigen Teilen Vest Recklinghausen und Herzogtum Westfalen. Im Jahr 1548 wurden das Hochstift Utrecht und das Herzogtum Geldern durch den Burgundischen Vertrag an den Burgundischen Reichskreis abgegeben. Das Hochstift Cambrai wurde 1678 französisch und schied damit aus dem Reich und dem Reichskreis aus.

Der Reichskreis umfasste 1512 insgesamt 55 Kreisstände, deren Vertreter die Kreistage bildeten, die nur selten einberufen wurden und meist in Köln stattfanden. Die Kanzlei und das Kreisarchiv befanden sich in Düsseldorf. 1555 übernahm der Herzog von Jülich-Kleve-Berg das Kreisoberstenamt im Rahmen der Reichsexekutionsordnung. Kreisausschreibender Fürst, später Kreisdirektor genannt, war zunächst ebenfalls der Herzog von Jülich, das Amt ging zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf den Fürstbischof von Münster über. Nach dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit wurde das Amt geteilt, neben Münster wechselten das Haus Pfalz-Neuburg für Jülich und Brandenburg für Kleve sich ab. Die Grafen und Herren der Region waren seit 1653 im Niederrheinisch-Westfälischen Reichsgrafenkollegium zusammengeschlossen. Der Reichskreis hatte das Recht, Assessoren für das Reichskammergericht zu präsentieren, wobei als Folge der konfessionellen Spaltung die evangelische wie auch die katholische Hälfte im 17. Jahrhundert jeweils zwei Assessoren stellte.

1534 verfolgten die Kreisstände eine mehr oder weniger geschlossene Politik zur Sicherung des Landfriedens beim Kampf gegen das Täuferreich von Münster. Ab 1556 bemühte sich der Kreis um eine Vereinheitlichung des Münzwesens im Zusammenhang mit der Reichsmünzordnung, und im 16. Jahrhundert war der Reichskreis insgesamt am aktivsten, als es unter anderem galt, die Türkensteuer aufzubringen. In den folgenden Jahrhunderten nahm die Bedeutung ab, auch wegen der problematischen Grenzlage zu den Niederlanden, in die der Achtzigjährige Krieg verschiedentlich übergriff, etwa im Spanischen Winter 1598/1599. Im Dreißigjährigen Krieg waren die Hochstifte als Mitglieder der Katholischen Liga mit dem Kaiser verbündet, während Herzog Wolfgang Wilhelm mit Jülich-Berg neutral blieb. 1644 stellte der Kölner Kurfürst Ferdinand von Bayern eine eigene Kreisarmee auf, die bis zum Friedensschluss das Kreisgebiet insbesondere gegen die Landgrafschaft Hessen-Kassel verteidigte. Nach 1702 stellte der Kreis für die Reichsarmee nur etwa 2000 Mann zur Verfügung, und im 18. Jahrhundert spielte er keine eigenständige Rolle mehr, Kreistage wurden etwa zwischen 1738 und 1757 nicht abgehalten. 1789 wurde der Reichskreis mit der Reichsexekution gegen die Lütticher Revolution beauftragt. Nach der Abtretung aller linksrheinischen Gebiete an Frankreich erfolgte 1806 die Auflösung des Reichskreises.

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Grundlage: Wikipedia-Artikel Niederrheinisch-Westfälischer ReichskreisVersionsgeschichteBearbeitungsstand 267086485redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
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