Oberlausitz
Region in Sachsen, Polen und Brandenburg
Deutsche Ostsiedlung
m 10. Jahrhundert unterbrach die deutsche Ostexpansion die eigenständige Entwicklung der Milzener. König Heinrich I. leitete mit Kriegszügen 921/922 und 928/929 die Unterwerfung der Sorben ein, 932 wurden die Milzener zu Tributzahlungen gezwungen. Nach Heinrichs Tod 936 konnten sie sich zeitweise befreien, erst um 990 unterwarf Markgraf Ekkehard I. von Meißen sie endgültig. An die Stelle der Milzenerburgen traten deutsche Burgwarde, darunter die Ortenburg in Bautzen. 1002 erwähnte Thietmar von Merseburg erstmals die Stadt Bautzen. Kirchlich gehörte die Oberlausitz zum 968 gegründeten Bistum Meißen, das 1007 und 1091 Schenkungen erhielt. Kaiser Heinrich IV. übereignete der Meißner Kirche fünf weitere Dörfer im Gau Milsca. Bald drohte der erstarkende polnische Feudalstaat der deutschen Herrschaft.
Sechsstädtebund
1346 gründeten die fünf königlichen Städte Bautzen, Lauban, Löbau, Görlitz, Kamenz und das damals böhmische Zittau den Sechsstädtebund, um Landfrieden zu sichern und gegen adliges Raubrittertum vorzugehen. Kaiser Karl IV. als Landesherr unterstützte die Städte mit zahlreichen Privilegien. In der Folge setzten sich die Sechsstädte gegenüber dem Adel durch, ihr wirtschaftlicher und politischer Einfluss wuchs. Über zweihundert Jahre kauften sie zahlreiche Dörfer und brachten so Teile des flachen Landes unter die Herrschaft der Stadträte, zudem setzten sie ihre Gerichtshoheit über den Adel im Weichbild durch. Innerstädtisch kam es dennoch immer wieder zu Streitigkeiten um die Besetzung der Stadträte und zu Unruhen der Handwerker gegen die Kaufleute, etwa 1347 in Görlitz, das sich zur wichtigsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau entwickelt hatte, sowie 1405 in Görlitz und Bautzen.
Hussitenkriege
Als in Böhmen Anfang des 15. Jahrhunderts die hussitische Revolution ausbrach, stellte sich die Oberlausitz im Bündnis mit Kaiser Sigismund und den Niederlausitzern gegen die Hussiten. Kamenz, Reichenbach, Löbau, Zittau und Lauban wurden erobert und verwüstet, nur Bautzen und Görlitz hielten den Belagerungen 1429 und 1431 stand. Der Krieg lockerte die Bindungen an die Böhmische Krone, und die Stände des Markgraftums konnten wegen der Schwäche des Königtums ihre inneren Angelegenheiten weitgehend selbständig regeln. 1438 huldigten nicht mehr alle sechs Städte König Albrecht II. persönlich. Nach seinem Tod 1439 entwickelte sich der Oberlausitzer Landtag als wichtigstes Instrument ständischer Freiheit. 1469 sagten sich die Oberlausitzer Stände vom böhmischen König Georg von Podiebrad los und erkannten den Gegenkönig Matthias Corvinus von Ungarn an, der die böhmischen Nebenländer, aber nicht Böhmen selbst, unter seine Herrschaft bringen konnte.
Unter sächsischen Kurfürsten von 1635 bis zur Teilung 1815
Der Prager Frieden von 1635 band Ober- und Niederlausitz an das Kurfürstentum Sachsen. Am 14./24. April 1636 übergab der Traditionsrezess in Görlitz die Oberlausitz dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. als erbliches böhmisches Lehen. Dabei blieben die religiösen Verhältnisse des Markgraftums Oberlausitz unangetastet und die Landstände behielten ihre Rechte. Die Oberlausitz blieb staatsrechtlich ein eigenes Land und durfte nicht mit den sächsischen Kernlanden verschmelzen; sächsisches Landesrecht musste erst vom Landtag beschlossen werden. 1666 errichtete Johann Georg II. die Münzstätte Bautzen für den Handel mit Schlesien und Böhmen, die aber schon im folgenden Jahr wegen Bedenken der kursächsischen Stände wieder geschlossen wurde.