Oberösterreich (Habsburg)
von 1406 bis 1665 bestehender Herrschaftbereich der Habsburger
er Ausdruck Austria superior taucht erstmals 1264 während des Österreichischen Interregnums auf, als in den babenbergischen Landen Ottokar Přemysl regierte. Für das Gebiet zwischen Ybbs und Hausruck setzte sich unter den Habsburgern jedoch der Name Österreich ob der Enns durch. Die Tiroler Lande entwickelten sich zu dieser Zeit erst, dort herrschten noch die Grafen von Görz-Tirol. Nach dem Erbvertrag der Görzerin Margarete von Tirol mit Rudolf dem Stifter 1363 übernahmen die Habsburger dort die Herrschaft. Im Hausvertrag von Neuberg 1379 trennten sich die Albertiner, die Niederösterreich erhielten, von den Leopoldinern, die Innerösterreich übernahmen. Die jüngere Linie bildete eine Tiroler Nebenlinie, deren Herrschaft den alten Namen Oberösterreich erhielt, während die Stammlande als Vorderösterreich bezeichnet wurden.
Die habsburgische Tiroler Linie war nur kurz und umfasste Friedrich mit der leeren Tasche, 1382 bis 1439, und seinen Sohn Siegmund, 1427 bis 1496. Kurz vor dem Erlöschen der Linie, 1493, anlässlich des Amtsantritts von Maximilian I., wurde das Tiroler Grafentum von Kaiser Friedrich III. gefürstet und damit reichsunmittelbar. Friedrich überwand die Trennung, und ab 1490 wurde die gemeinsame Landesverwaltung in der Hofburg Innsbruck eingerichtet. Seitdem verwalteten die Tiroler Statthalter, anfangs habsburgische Erbprinzen, später niederadelige Beamte, auch Vorderösterreich und die Vorlande. Zeitweise hatte einer der habsburgischen Prinzen innerhalb Oberösterreichs eine eigene vorderösterreichische Statthalterschaft, meist zu Freiburg im Breisgau.
Unter Kaiser Ferdinand II. bildete sich noch einmal ein Tiroler Herrscherhaus, die Jüngere Tiroler Linie, als der ältere Sohn Ferdinand 1619 Kaiser und Erzherzog zu Österreich wurde, während der jüngere Leopold, 1586 bis 1632, in Tirol regierte. Auch diese Linie erlosch schon in der nächsten Generation mit Sigismund Franz, 1630 bis 1665, und Ferdinand beerbte schließlich alle habsburgischen Linien. Damit verlor der Begriff Oberösterreich als eigenständiges Territorium seine Bedeutung. Innsbruck blieb aber Standort der oberösterreichischen Regierung und Kammer, die Tirol und bis 1752 auch die gesamten Vorlande verwaltete.