Oradea
Hauptstadt des Kreises Bihor im Westen Rumäniens
ie Stadt entstand aus der römischen Siedlung Salca. Ladislaus I. von Ungarn machte sie 1080 zum römisch-katholischen Bischofssitz, 1113 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Von Beginn an gehörte Oradea zum Königreich Ungarn und diente vom 11. bis zum 15. Jahrhundert als Grabstätte für Mitglieder des ungarischen Königshauses, darunter der deutsche Kaiser Sigismund, der von 1387 bis zu seinem Tod 1437 auch ungarischer König war. Nach der Niederlage Ungarns in der Schlacht bei Mohács 1526 kämpften der habsburgische römisch-deutsche König und spätere Kaiser Ferdinand I. und der siebenbürgische Fürst Johann Zápolya um die verbliebenen ungarischen Gebiete. Am 24. Februar 1538 wurde in Oradea der Friede von Großwardein geschlossen, wodurch die Stadt Teil des Habsburgerreiches wurde. 1598 widerstand eine kleine Besatzung unter Melchior von Redern 100.000 Türken, doch 1660 fiel die Stadt an die Türken und wurde im Frieden von Eisenburg abgetreten. Erst 1692 kam Oradea wieder an Österreich. In den Jahren 1848–49 flüchtete die ungarische Revolutionsregierung nach Debrecen, wobei Archive und Banknotenpresse nach Oradea gebracht wurden. Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, getragen auch von ihrer jüdischen Einwohnerschaft, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg etwa ein Sechstel der damals 100.000 Einwohner stellte.
Johann Michael Haydn, der jüngere Bruder Joseph Haydns, wirkte von 1757 bis 1762/63 als Violinist und Kapellmeister des Bischofs von Großwardein, Adam Freiherr von Patácic. Nach zwei Jahren Vakanz übernahm 1765 Karl Ditters von Dittersdorf die Stelle, vergrößerte das Orchester auf 34 Musiker, führte die Klarinette ein und ließ die Musiker nach Wiener Vorbild im Sitzen spielen. Dittersdorf blieb bis 1769, als das Orchester nach einem Verweis der Kaiserin Maria Theresia gegenüber Bischof Patácic wegen zu weltlichen Verhaltens während der Fastenzeit aufgelöst wurde.
Zu den sehenswerten Bauwerken zählt die römisch-katholische Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt aus dem 18. Jahrhundert, der größte Barockbau Rumäniens. Auch die sogenannte Mondkirche mit ihrer mechanischen Uhr, die Mondphasen anzeigt, sowie die Überreste der Sternfestung und Jugendstilpaläste wie die Einkaufspassage Zum schwarzen Adler prägen das Stadtbild. Zudem gibt es ein Staatstheater und ein Konzerthaus.