Otto von Freising
Bischof von Freising; Geschichtsschreiber
tto wurde um 1112 als fünfter Sohn des Markgrafen Leopold III. von Österreich und der Agnes von Waiblingen, Tochter Kaiser Heinrichs IV., geboren. Seine Halbbrüder aus der ersten Ehe seiner Mutter mit Friedrich I. von Schwaben waren König Konrad III. und Herzog Friedrich II. von Schwaben, der Vater Kaiser Friedrich Barbarossas. Nach erster Ausbildung in Klosterneuburg und Studien in Paris trat er 1132 in den Zisterzienserorden ein und wurde 1138 zunächst Abt von Morimond, tags darauf durch König Konrad III. zum Bischof von Freising ernannt. In der Zeit des Investiturstreites geriet er in Konflikt mit den Wittelsbachern, vermittelte aber zwischen Staufern, Babenbergern und Welfen. Er nahm am Zweiten Kreuzzug teil und war im Auftrag Konrads III. diplomatisch tätig, unter anderem bei drei Reisen nach Rom und bei der Beilegung des Streites mit Papst Hadrian IV. unter Friedrich Barbarossa. 1157 beauftragte ihn Friedrich Barbarossa, seine Taten aufzuzeichnen; Otto starb 1158, bevor er das Werk vollenden konnte.
Otto gilt als einer der größten Geschichtsschreiber des hohen Mittelalters und brachte den neuentdeckten Aristoteles nach Deutschland. Sein erstes Werk, die Chronica sive Historia de duabus civitatibus, ist dem Werk De civitate Dei des Kirchenvaters Augustinus von Hippo nachempfunden und entstand zwischen 1132 und 1146, überarbeitet 1157. Es ist eine Weltgeschichte in sieben Büchern mit einem achten Buch über das Jüngste Gericht und widmet sich der Umformung augustinischer und platonischer Ideen, vor allem der Zweistaatentheorie, wobei die Kirche Christi sich mit dem Imperium Romanum zur Civitas Dei verbindet. Um 1156 begann Otto die Gesta Friderici Imperatoris, deren erstes Buch die Zeit von Heinrich IV. bis Konrad III. behandelt und deren zweites Buch Barbarossas Geschichte von 1152 bis 1158 beschreibt. Otto konnte nur diese beiden Bücher vollenden; sein Schüler Rahewin schrieb die Bücher drei und vier, ein weiterer Fortsetzer war Otto von St. Blasien. Die Darstellung der Staufer verfolgte dabei eine Zielsetzung, das Haus Staufen als Erfüller des göttlichen Willens darzustellen.
Im Zisterzienserorden wird Otto seit langem als Seliger verehrt. Sein Gedenktag ist in der Erzdiözese Wien und im Erzbistum München-Freising seit 1973 der 7. September. Ein Standbild des Seligen befindet sich im Freisinger Dom, in Heiligenkreuz und in Moosburg befinden sich Reliquien. 1995 wurde ihm auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Morimond eine Gedenkstele errichtet, und auf der Korbinianbrücke in Freising erinnert eine Brückenfigur an ihn. Auch in der Walhalla bei Regensburg wurde ihm eine Gedenktafel gewidmet.