Passauer Vertrag
Friedensvertrag zwischen dem römisch-deutschen König Ferdinand I. und den protestantischen Reichsfürsten (1552)
n den Passauer Verhandlungen nahmen König Ferdinand und Kurfürst Moritz persönlich teil, ebenso Herzog Albrecht von Bayern, Erzbischof Ernst von Salzburg, Bischof Wolfgang von Passau und Bischof Moritz von Eichstätt. Durch Gesandte vertreten waren die Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, der Pfalz und Brandenburg, Herzog Wilhelm von Jülich, Herzog Christoph von Württemberg, die Herzöge von Pommern, Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin, Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig, der Bischof von Würzburg, Landgraf Wilhelm von Hessen sowie Pfalzgraf Ottheinrich. Hessen wurde durch Heinrich Lersner vertreten. Die Gespräche fanden unter dem Druck des drohenden, von Markgraf Albrecht Alcibiades geführten Zweiten Markgrafenkrieges statt. Die kaiserlichen Vertreter hatten keine Vollmacht für einen endgültigen Abschluss, da Karl selbst entscheiden wollte. Verhandelt wurde vor allem zwischen den Kriegsparteien, während Ferdinand und die anderen Fürsten bei Konflikten vermittelten.
Der Vertrag war zugleich eine Kompromissvereinbarung zwischen Ferdinand und Moritz von Sachsen. Kaiser Karl verpflichtete sich, Landgraf Philipp von Hessen, den Schwiegervater von Moritz, freizulassen, der seit der Wittenberger Kapitulation 1547 in kaiserlicher Gefangenschaft war. Auch der frühere Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen kam durch die Friedensverhandlungen frei. Der Kaiser blieb verpflichtet, das Reich angesichts der Bedrohung durch das Osmanische Reich zu schützen, und die Protestanten unter Moritz sicherten ihre Unterstützung dabei zu. Der Passauer Vertrag war ein Schritt zu einem dauerhaften Frieden, der drei Jahre später zum Augsburger Reichs- und Religionsfrieden führte.
Karl lehnte den in Passau verhandelten Vertragsentwurf zunächst ab und bestand auf Änderungen, etwa auf einer Befristung des Gewaltverzichts bis zum nächsten Reichstag, der nach Wegen zur religiösen Wiedervereinigung suchen sollte. Widerwillig ratifizierte er den veränderten Entwurf am 15. August 1552. Die vorangegangenen Passauer Verhandlungen selbst gelten daher als das eigentlich Bahnbrechende. Karl widersetzte sich lange den Forderungen der aufständischen Fürsten. Erst durch die Standhaftigkeit der kaisertreuen Stadt Frankfurt am Main, die der Belagerung der Fürsten vom 17. Juli bis 9. August 1552 trotzte, sowie durch Geldbewilligungen aus Neapel und von den Fuggern änderte sich allmählich die Lage. Einen definitiven, immerwährenden Frieden in der Religionsfrage lehnte Karl weiterhin ab.