Patriotismus
emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation
er Bedeutungswandel des Begriffs vom bloßen Landsmann zu einer stolzen Vaterlandsliebe setzte im Zuge der europäischen Reformationskriege ein. Entscheidend war der Achtzigjährige Krieg, in dessen Verlauf sich die Anhänger Wilhelms von Oranien im Kampf gegen spanische Fremdherrschaft als goede patriotten verstanden. Im Zeitalter der Aufklärung wurde der Begriff erstmals definiert, etwa 1724 von Michael Richey als jemand, dem es um das Beste seines Vaterlandes ernst ist. Charles de Montesquieu behielt 1748 die Liebe zum Vaterland allein einer Republik vor, während in Monarchien laut ihm die Ehre die treibende Kraft sei. Patriotismus wurde in der Aufklärung als Tugend verstanden und verlangte selbstloses Heldentum. Seit den Befreiungskriegen gegen das napoleonische Frankreich war Patriotismus ein Elitenprojekt, das zunächst mit den Idealen der Französischen Revolution einherging.
Im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit bestand kein Konsens, worauf sich Patriotismus bezog: auf den unmittelbaren Nahraum, den Territorialstaat, das Heilige Römische Reich oder die ganze Welt. Vor dem Hintergrund des Siebenjährigen Krieges versuchte Friedrich Carl von Moser 1761 einen Reichspatriotismus zu begründen, der auf der Unterordnung partikularer Vaterländer unter das Reich beruhen sollte. Er konnte sich damit nicht durchsetzen, denn andere wie Thomas Abbt beschrieben stattdessen Preußen als das Vaterland. 1793 beklagte Christoph Martin Wieland das Fehlen eines patriotischen Gemeingeists, der das ganze Teutsche Reich als Vaterland liebe. Seit den Befreiungskriegen erschien ein Reichspatriotismus nach dem Versagen der Reichsinstitutionen gegenüber Napoleon und dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 nicht mehr möglich. Referenz der deutschen Patrioten wurde nun zunehmend die deutsche Nation.
Nach der Reichsgründung 1871 bezog sich der deutsche Patriotismus nicht ausschließlich auf das Deutsche Reich, sondern auch auf die Gliedstaaten. Otto von Bismarck bemerkte in seinen Memoiren, deutscher Patriotismus bedürfe in der Regel der Vermittlung dynastischer Anhänglichkeit, um wirksam zu werden. Auch aus diesem Grund war die bismarcksche Reichsverfassung föderalistisch angelegt.