Paulus Diaconus
langobardischer Mönch und Geschichtsschreiber
Am Langobardenhof
aulus erhielt am Hof König Ratchis in Pavia eine ausgezeichnete Ausbildung und wandte sich dem theologischen Studium zu. Er stand in engem Kontakt zur Königsfamilie und unterrichtete Adelperga, die Tochter König Desiderius'. Für sie verfasste er ein Gedicht über die Weltzeitalter, datiert auf 763, sowie eine Römische Geschichte in 16 Büchern bis zur Zeit Kaiser Justinians. Nachdem 774 das Langobardenreich von den Franken erobert worden war, hielt sich Paulus in Montecassino auf. Im Jahr 781 klagte er bei Karl über die Gefangenschaft seines Bruders, worauf Karl Petrus von Pisa nach Italien schickte, um Paulus für den Hof zu gewinnen.
Am Karolingerhof
Vielleicht im Jahr 782 begab sich Paulus an den Hof Karls des Großen, um die Freilassung seines Bruders Arichis zu erlangen. Karl gewährte dies frühestens nach Januar 783, unter der Bedingung, dass Paulus am Hof bleibe und lehre. Im Mai 783 verfasste er auf Bitte des Königs Grabinschriften für die verstorbene Königin Hildegard. Am Hof lehrte er Griechisch, gab eine Homiliensammlung heraus und schrieb auf Initiative des Erzkaplans Angilram die Liber de episcopis Mettensibus. Im Sommer 784 reiste Paulus in den Norden Frankreichs, unter anderem an die Küste Aquitaniens, nach Tours und Poitiers. Wahrscheinlich verließ er den Hof bereits 785 und ging nach Montecassino, wo er Bibliothek, Arbeitsmöglichkeiten und Muße fand.
In Montecassino
Nach seiner Rückkehr nach Montecassino im Herzogtum Benevent blieb Paulus im Kontakt mit dem Karolingerhof. Mit Unterstützung des Abtes stellte er die Homiliensammlung zusammen, deren Gebrauch Karl dem Klerus des Reiches zur Pflicht machte. Im Jahr 787 führte Karl einen Feldzug gegen Benevent, der möglicherweise durch den Einfluss des Paulus unblutig mit der Unterwerfung endete. Karl besuchte auch das Kloster Montecassino. Am 26. August 787 starb der Herzog von Benevent, und die Herrschaft fiel an Adelperga. In Montecassino verarbeitete Paulus sein Geschichtswerk zur Historia Langobardorum, die von 568 bis zum Tod König Luitprands im Jahr 744 reicht und die wichtigste Quelle zur langobardischen Geschichte darstellt.