Petrus de Vinea
Kanzler des Kaisers Friedrichs II. von Hohenstaufen
etrus de Vinea stammte aus einer nichtadligen, aber angesehenen und offenbar verarmten Familie in Capua, sein Vater war städtischer Richter. Er durchlief die Laufbahn der kaiserlichen Verwaltung als Beamter. Nach dem Studium des kanonischen und bürgerlichen Rechts in Bologna wurde er 1220 Notar Friedrichs II. Seit 1224 ist er als Richter am Großhofgericht bezeugt. 1231 leitete er die kaiserliche Kommission, die die Konstitutionen von Melfi verfasste, das erste staatliche Gesetzbuch Europas seit der Antike. In der Folge gewann er Bedeutung als Jurist, als lateinischer Stilist und als Kanzleichef, seit 1243 als Protonotar, sowie als Berater des Kaisers.
1243 wird er erstmals als Protonotar der kaiserlichen Halle und Logothet des sizilischen Königreichs bezeichnet. Die Funktion des Logotheten, die feierliche Verkündung kaiserlicher Urteile und Kundgebungen, hatte er schon 1239 in Oberitalien ausgeübt. Als einer der engsten Vertrauten Friedrichs nahm er seit 1244 faktisch die Position eines leitenden Ministers ein und wurde auch mit diplomatischen Missionen betraut. Im Februar 1235 reiste er als Leiter einer sizilischen Delegation nach England, um für Friedrich um die Hand der Prinzessin Isabella zu werben. Durch seinen Einfluss wurde der Stil der kaiserlichen Briefe und Manifeste entscheidend aufgewertet, die Urkunden der Kanzlei Friedrichs II. gelten als Höhepunkt des mittelalterlichen Urkundenwesens und wurden bis ins späte Mittelalter nachgeahmt. Eine um 1270 zusammengestellte lateinische Briefsammlung unter seinem Namen ist in zahlreichen Handschriften überliefert.
Die Hintergründe des Falls Petrus de Vineas, der auch als enger Freund Friedrichs galt, sind nicht eindeutig aufzuklären. 1249 wurde aus dem Hofstaat des Kaisers ein Giftanschlag auf Friedrich II. verübt. Petrus wurde der Teilnahme verdächtigt und geblendet. Eingekerkert in San Miniato, verstarb er kurz darauf, entweder durch Selbstmord oder durch die Folgen der Blendung. Möglich ist, dass er tatsächlich Verbindungen zu den Gegnern des Kaisers, etwa dem Papst, aufgenommen hatte, oder dass er einer Intrige zum Opfer fiel. Seine glanzvolle Laufbahn, die er auch durch Korruption zu Vermögen nutzte, gehört zu den interessanten Aspekten des Wirkens Friedrichs II. Petrus gehörte Friedrichs sizilianischer Dichterschule an und dichtete selbst zwei Canzonen. Sein Leben wurde später verklärt, unter anderem von Dante im 13. Gesang des Infernos der Göttlichen Komödie.