Philipp Melanchthon
deutscher Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und Dichter
m März und April 1529 übernahm Melanchthon die Rolle des theologischen Beraters des sächsischen Kurfürsten auf dem Reichstag zu Speyer, weil Luther als Geächteter nicht teilnehmen konnte. Damit begann seine Verwendung als kursächsischer Delegierter, zunächst beratend im Hintergrund, in späteren Jahren mit größerer Verantwortung. Kursachsen, Hessen und die Reichsstädte Ulm, Nürnberg und Straßburg strebten ein Verteidigungsbündnis an. Melanchthon hielt politischen Widerstand gegen den Kaiser für illegitim und sah zudem Straßburg der Abendmahlslehre der Schweizer Reformation nahestehen, die Luther und seine Mitarbeiter ablehnten.
Bis zur Torgauer Konferenz im Oktober 1530 hatten Luther und Melanchthon ein Widerstandsrecht der Fürsten gegen den Kaiser abgelehnt. Anwesende Juristen überzeugten sie jedoch, dass dieses Recht in der Reichsverfassung begründet sei. Als der Schmalkaldische Bund gegründet wurde, setzte sich Melanchthon gemeinsam mit Martin Bucer dafür ein, das politische Bündnis durch ein gemeinsames Glaubensbekenntnis zu stabilisieren. Seit dem Augsburger Reichstag war er in die Rolle des führenden lutherischen Theologen hineingewachsen, was ihm eine größere Selbständigkeit gegenüber Luther verschaffte.
Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther, und Melanchthon hielt die lateinische Grabrede sowie eine viel rezipierte Biografie des Reformators, die Historia Lutheri. Im Sommer desselben Jahres begann der Schmalkaldische Krieg. Melanchthon unterstützte den Bund nach Kriegsbeginn, sah aber das Vorgehen des sächsischen Kurfürsten gegen Naumburg und Wurzen sowie den Donaufeldzug kritisch. Nach der Invasion Moritz’ von Sachsen in kursächsisches Territorium wurde die Universität Wittenberg am 6. November 1546 geschlossen.
Nach Luthers Tod 1546 entstand ein Autoritätsvakuum. Die militärisch unterlegenen Protestanten standen seit 1547 unter großem politischem Druck. Viele Akteure meinten, in der Endzeit zu leben, und sahen die Papstkirche als Macht des Bösen. Nun kam ein Transformationsprozess in Gang, aus der offenen Wittenberger Reformation wurde das konfessionelle Luthertum. Das geschah mit den Mitteln der damaligen Streitkultur und war für die Beteiligten oft traumatisch. Die neuere Forschung unterscheidet acht Streitkreise, Gruppen von Schriften und Gegenschriften zu einem gemeinsamen Thema.