Philipp von Schwaben
römisch-deutscher König
Zwei Könige, eine Krone
ach dem Tod Kaiser Heinrichs VI. im September 1197 versuchte Philipp zunächst, das Königtum für seinen minderjährigen Neffen Friedrich zu sichern. Doch der Kölner Erzbischof Adolf sammelte Gegner der Staufer und förderte die Wahl Ottos von Poitou, eines Sohnes Heinrichs des Löwen. Auf Drängen der sächsischen Fürsten willigte Philipp in eine eigene Kandidatur ein und wurde am 8. März 1198 in Mühlhausen gewählt, nachdem er zwei Tage zuvor in Ichtershausen seine Bereitschaft erklärt hatte. Otto wurde erst am 9. Juni 1198 in Köln gewählt und ließ sich am 12. Juli 1198 in Aachen krönen, während Philipp die eigene Krönung zunächst versäumte und sich nach Worms zurückzog. Beide Wahlen wiesen symbolische Mängel auf, doch befanden sich die Reichsinsignien in Philipps Besitz.
Werben um Anhänger
Im Kampf um die Krone kam es weniger zu Entscheidungsschlachten als zum Ringen um persönliche Bindungen. Beide Könige versuchten durch Geschenke, Übertragung von Reichsgut und Heiratspolitik Unentschlossene für sich zu gewinnen. Philipp feierte 1199 mit großer Pracht das Weihnachtsfest in Magdeburg, nahe dem welfischen Braunschweig, wobei der sächsische Herzog Bernhard als Schwertträger seine Unterstützung demonstrierte. 1203 versuchte Philipp durch ein Heiratsprojekt einen Ausgleich mit Papst Innozenz zu erreichen, der jedoch scheiterte, weil sich der Staufer in wichtigen Fragen wie dem Kreuzzug nicht festlegte. Im Gegensatz zu Otto war Philipp bereit, seine Getreuen reich zu belohnen, und zog dadurch hochrangige Anhänger des Welfen auf seine Seite.
Der Mord in Bamberg
Am 21. Juni 1208 nahm Philipp in Bamberg an der Hochzeit seiner Nichte Beatrix von Burgund teil und wurde am Nachmittag in seinen privaten Gemächern von Otto VIII. von Wittelsbach ermordet. Der Täter konnte zunächst fliehen. Als Mordmotiv sahen die meisten mittelalterlichen Chronisten die Rücknahme eines Heiratsversprechens: Philipp hatte seine Tochter Kunigunde 1203 mit dem Wittelsbacher verlobt, sie aber 1207 stattdessen mit dem Sohn König Ottokars I. von Böhmen verlobt, was für Otto von Wittelsbach eine Ehrverletzung darstellte. Die Forschung geht seit Eduard Winkelmanns Quellenanalyse im 19. Jahrhundert überwiegend davon aus, dass Otto von Wittelsbach als Einzeltäter handelte, auch wenn Bernd Ulrich Hucker 1998 einen umfassenden Verschwörungsplan vermutete, der sich jedoch nicht durchgesetzt hat.
Nach dem Königsmord
Philipp wurde zunächst im Bamberger Dom beigesetzt. Otto ließ die Attentäter verfolgen und erreichte auf einem Hoftag in Frankfurt im November 1208 allgemeine Anerkennung als Herrscher. Über Philipps Mörder und die verdächtigten Andechs-Meranier-Brüder wurde die Reichsacht verhängt, Otto von Wittelsbach wurde im März 1209 aufgefunden und enthauptet. Nachdem Otto 1210 exkommuniziert worden war, wählte ein Teil der Großen den Staufer Friedrich II. zum König. Friedrich ließ Philipps Gebeine von Bamberg nach Speyer überführen, wo sie zu Weihnachten 1213 im Speyerer Dom, dem bedeutendsten Begräbnisort des römisch-deutschen Königtums, beigesetzt wurden.