Protestantische Union
Zusammenschluss von protestantischen Fürsten und Städten
eit dem Augsburger Religionsfrieden galten Katholiken und Lutheraner als gleichberechtigt, doch Ende des 16. Jahrhunderts wuchs das Misstrauen zwischen den Konfessionen. Auseinandersetzungen wie der Kölner Krieg und der Straßburger Kapitelstreit verschärften die Lage. Der Pfälzer Kurfürst Friedrich IV. scheiterte zunächst daran, die Protestanten gegen die spanische Bedrohung zu vereinen, weil die von Kursachsen geführten Lutheraner Widerstand leisteten. 1606/07 eskalierte der Streit, als die protestantische Reichsstadt Donauwörth eine katholische Prozession störte. Kaiser Rudolf II. verhängte die Reichsacht über die Stadt und übertrug die Exekution dem bayerischen Herzog Maximilian I., obwohl dies eigentlich Sache des protestantischen Schwäbischen Kreises gewesen wäre. Maximilian besetzte die Stadt im Dezember 1607 und rekatholisierte sie. Auf dem Reichstag von 1608 in Regensburg forderten die Protestanten vergeblich die Bestätigung des Augsburger Religionsfriedens; der Reichstag endete am 27. April 1608 ohne Reichsabschied.
Die Ereignisse von Regensburg bestätigten das Misstrauen der Protestanten gegenüber den Reichsinstitutionen, da sie den Kaiser nun als Vertreter der katholischen Kirche und des Hauses Habsburg sahen. Anfang Mai 1608 lud der Ansbacher Markgraf Joachim Ernst süddeutsche protestantische Fürsten nach Auhausen ein. Die Tagung begann am 2. Mai julianisch beziehungsweise 12. Mai 1608 gregorianisch. Innerhalb der fünftägigen Verhandlungen wurde am 4. Mai julianisch beziehungsweise 14. Mai 1608 gregorianisch der eigentliche Unionsvertrag unterzeichnet. Beteiligt waren Friedrich IV. von der Pfalz, vertreten durch Christian von Anhalt, Herzog Johann Friedrich von Württemberg, Prinz Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg sowie die Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg-Ansbach, Christian von Brandenburg-Kulmbach und Georg Friedrich von Baden. Der zunächst auf zehn Jahre befristete Pakt war als reines Defensivbündnis gedacht: die Mitglieder versprachen sich gegenseitige Hilfe, falls einer von ihnen angegriffen würde.
Noch 1608 traten Anhalt, Pfalz-Zweibrücken und Oettingen-Oettingen bei, Kursachsen blieb jedoch fern. 1609 folgten Nürnberg, Straßburg und Ulm sowie mehrere fränkische Städte. Als Reaktion gründeten katholische Fürsten unter Maximilian von Bayern 1609 die Katholische Liga. Im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit mobilisierten beide Seiten Truppen, wobei sich die Union uneinig zeigte; die harte Linie Christians von Anhalt setzte sich gegen mäßigende Städte durch. 1613 schwächten Konfessionswechsel das Bündnis: Johann Sigismund wurde Calvinist, Wolfgang Wilhelm katholisch und verbündete sich mit Spanien. Eine Verlängerung der Union gelang nur bis Mai 1621. Als Friedrich V. am 26. August 1619 zum böhmischen König gewählt wurde, riet ihm die Union am 12. September 1619 in Rothenburg davon ab, die Wahl anzunehmen. Er ignorierte die Warnung. Am 23. Juni julianisch beziehungsweise 3. Juli 1620 gregorianisch schlossen Union und Liga unter französischer Vermittlung den Ulmer Vertrag, der Böhmen jedoch ausschloss, sodass Kaiser und Liga gegen Friedrich vorgehen konnten.
Beim Unionstag in Heilbronn wurde die Auflösung der Union am 24. April julianisch beziehungsweise 4. Mai 1621 gregorianisch förmlich vollzogen, da der auslaufende Unionsvertrag nicht mehr verlängert wurde. Die Protestantische Union endete damit am 4. Mai julianisch beziehungsweise 14. Mai 1621 gregorianisch, genau dreizehn Jahre nach ihrer Gründung. Die mit dem Ulmer Vertrag verbundene Hoffnung, den Krieg auf Böhmen zu beschränken, erfüllte sich nicht. Bereits 1622 flammten die Kämpfe in der Kurpfalz erneut auf, eine weitere Etappe des Dreißigjährigen Kriegs, der weite Teile des Reichs verwüstete.